Um der feuchten Kälte grauer Herbst- und Wintertage zu entfliehen, wünschen wir uns oft nichts weiter als wohlige Wärme. Niemand muss dazu weit reisen. Ein idealer Zufluchtsort befindet sich in fast jeder Wohnung: die gute alte Badewanne. Dort können wir den Alltag ausblenden und vor uns hin träumen.
Ganz nebenbei wirkt warmes Wasser positiv. Es aktiviert die Wärmerezeptoren der Haut, unseres größten Organs. „Dadurch stellen sich die peripheren Gefäße weit, der Blutdruck sinkt, und die Durchblutung verbessert sich“, erklärt Dr. Rainer Stange, leitender Arzt des Zentrums für Naturheilkunde am Immanuel-Krankenhaus und der Charité in Berlin. „Peripher“ nennen Mediziner die kleinen, feinen Blutgefäße zur Körperoberfläche hin.
Stange betont: „Ein warmes Bad ist vor allem eine sehr einfache und äußerst effektive Muskelentspannung.“ Es löst verkrampfte Muskeln, wie sie bei chronischen Rückenschmerzen oder Reizungen des Ischiasnervs auftreten, oder lindert zumindest die Schmerzen. Der Auftrieb des Wassers trägt seinen Teil dazu bei. Ein entspannter Körper beeinflusst auch Geist und Seele: Endlich können wir wieder locker sein.
Bei einem ansteigenden warmen Vollbad – im Extremfall bis zu 40 Grad Wassertemperatur (Achtung: So hohe Wassertemperaturen verträgt nicht jeder! Insbesondere Schwangere, Menschen mit Herz- oder Kreislaufleiden, Krampfadern oder fiebrigen Infekten sollten beim Baden vorsichtig sein und sich vorab beim Arzt erkundigen, was sie sich zumuten können und dürfen. Siehe auch Kapitel "Richtig baden") – erhöht sich auch die Kerntemperatur des Körpers. Mediziner sprechen dann von Überwärmung. Derart verstärkte Wärme regt zahlreiche günstige Prozesse im Organismus an. Das Gewebe wird vermutlich durchlässiger, etwa für Abwehrzellen auf dem Weg zu ihrem jeweiligen Einsatzort. Droht eine Erkältung, kann diese Anwendung die Immunabwehr des Körpers anspornen und dabei helfen, Erreger unschädlich zu machen.
„Ätherische Öle wie Eukalyptus, Thymian und Latschenkiefer unterstützen diese Wirkung“, erklärt die Apothekerin Margit Schlenk aus Nürnberg-Laufamholz. Über die Haut, mit dem Atem und über die Schleimhäute gelangen die Dämpfe der ätherischen Öle in die Nebenhöhlen und in die Bronchien. Dort wirken etwa Eukalyptus und Thymian antibakteriell sowie desinfizierend und verflüssigen zähen Schleim. Wer sein Bad selbst zubereitet, dem rät Schlenk, nur wenige Tropfen Öl mit süßer Sahne, Milch, Honig (drei bis vier Esslöffel) oder einem neutralen Badezusatz zu mischen und dann unter den einlaufenden Strahl zu geben. Reines Öl verteilt sich nicht im Wasser, sondern schwimmt auf der Oberfläche. „Kommt es mit der Scheiden- oder Analhaut in Kontakt, fängt diese zu brennen an“, warnt Expertin Schlenk.
Müssen Sie bereits niesen, kratzt der Hals und ist die Nase schon angeschwollen, legen Sie sich besser ins Bett als in die Wanne. Stange hebt hervor: „Je mehr solche Symptome bestehen, desto vorsichtiger sollte man sein.“
Ein Bad mit ätherischen Ölen wirkt auch auf die Psyche, Denn Gerüche lösen in uns sofort bestimmte Gefühle aus. Je nachdem, woran uns Mandarine, Zimt oder Vanille erinnern, tauchen mit dem Duft Bilder aus der Vergangenheit auf. Wenn also fieses Schmuddelwetter schlechte Laune macht, können spezielle Aromen die Stimmung heben. „Die Tristesse der dunklen Tage lösen Zitrusfrüchte auf, allen voran die Bergamotte mit ihrem frischen und ausgleichenden Duft“, sagt Margit Schlenk.
Die Aromen des vielseitigen Bitterorangenbaums entspannen und regen ebenfalls an. Geht es darum, Stress wegzuspülen, kann beruhigender Lavendel dabei helfen. Er macht zudem wohlig müde. Zimt und Vanille erinnern an süßes Gebäck und passen damit gut in die Vorweihnachtszeit. Schlenk merkt an: „Die ausgleichende und beruhigende Vanille lässt uns Geborgenheit empfinden.“
Wer nach dem warmen Wannengenuss den Körper nur wenige Sekunden kalt abspült, macht sein Immunsystem winterfest und härtet sich ab. Anschließend die Haut trocken tupfen, eincremen oder einölen und sich in einen warmen Bademantel kuscheln. Ausgeruht kann der Abend beginnen.
Christine Wolfrum / Apotheken Umschau;
04.01.2011, aktualisiert am 13.03.2012
Bildnachweis: F1 online Bildagentur GmbH/Fancy
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