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Durchfall (Diarrhö): Ursachen chronisch (2)

Der Darm ist zahlreichen Einflüssen ausgesetzt. Vieles trägt er „mit Fassung“. Auf Dauer wird er aber empfindlicher gegenüber faserarmer Kost, stetem Tropfen Alkohol, Eingriffen, die seinen Lauf verändern, Strahlen und hormonellen Störungen. Dann ist auch Durchfall möglich


In Maßen ok, sonst streikt womöglich auch der Darm

Was dem Darm alles zusetzt

Divertikel im Darm oder oder Probleme wie der Reizdarm betreffen viele Menschen. Auch Tumoren des Darms und Diabetes mellitus sind häufige Krankheiten. Und der Alkohol? Er gehört heute zum Alltag, Missbrauch und Abhängigkeit sind krankhafte, nicht selten gefährliche Extreme eines akzeptierten Stils. Während alle diese Probleme eint, dass Ernährungsfaktoren irgendwie eine Rolle spielen, bilden die anderen gelisteten Umstände oder Erkrankungen als mögliche Durchfall-Ursachen eher eine uneinheitliche Gruppe.

Die Themen dieses Kapitels im Überblick:

- Reizdarm

- Divertikel bzw. Divertikulitis (entzündete Divertikel)

- Chronischer Alkoholmissbrauch

- Chronische Durchblutungsstörungen des Darms

- Tumoren und Polypen

- Durchfall nach Magen-Darm-Operationen

- Strahlenbehandlung

- Hormonell aktive Tumoren

- Überfunktion der Schilddrüse

- Nebennierenrindenunterfunktion

- Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2

- Arzneimittel (siehe Kapitel „Akut (1)“)


Reizdarm


Der Reizdarm gehört zu den häufigsten Erkrankungen. Er ist praktisch eine Volkskrankheit geworden.

Der Begriff Reizdarm steht für ein schwer fassbares Krankheitsbild, bei dem mit den bisher verfügbaren Mitteln keine krankhaften Veränderungen erkennbar sind. Daher wird der Arzt zunächst viele andere Erkrankungen oder Umstände, die Beschwerden wie bei einem Reizdarm machen können, ausschließen, bevor er diese Diagnose stellt. Bei einem Teil der Patienten liegt eventuell ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom vor, was besagt, dass die Beschwerden nach einer länger zurückliegenden Darminfektion aufgetreten und seitdem nie wieder ganz verschwunden sind.

Symptome: Leitbeschwerden bei Reizdarm sind Durchfall, Bauchschmerzen oder Krämpfe im Bauch nach der Nahrungsaufnahme und Blähungen. Die Patienten müssen oft zur Toilette gehen, was den Alltag sehr belastet. Bei anderen Betroffenen kann eine hartnäckige Verstopfung im Vordergrund stehen.

Mehr zu Symptomen und Therapie im Beitrag Reizdarm.

Entzündete Darmdivertikel (Divertikulitis)


Darmdivertikel sind Aussackungen der Darmschleimhaut an vorgegebenen Schwachpunkten, zum Beispiel Spalten in der Darmwand, durch die auch Gefäße hindurchtreten. Die Verformungen heißen in diesem Fall Pseudodivertikel.

Nachfolgend ist vereinfachend von Divertikeln die Rede. Divertikel im Darm sind meist harmlos. Wenn sie sich entzünden, können jedoch starke Beschwerden auftreten. Divertikel kommen überwiegend im Dickdarmbereich des „Sigma“ (Colon sigmoideum, S-Darm) auf der linken Seite im Unterbauch vor.
Symptome: Entzündungen von Sigma-Divertikeln (Sigmadivertikulitis) äußern sich mit starken Schmerzen im linken Unterbauch, wobei die Schmerzen sich aber auch über den gesamten Bauchraum erstrecken können. Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl kommen hinzu. Auch Verstopfung, starke Blähungen, manchmal Durchfall, Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl sind bei einer akuten Divertikulitis möglich.

Der Beitrag Divertikel im Darm informiert ausführlicher über das Krankheitsbild.

Chronischer Alkoholmissbrauch


Dauerhafter Überkonsum von Alkohol schädigt im Verdauungsbereich die Magen- und Darmschleimhaut, die Leber und die Bauchspeicheldrüse.

In der Folge kann es unter anderem zu Durchfällen kommen, die die bestehende Tendenz zur Mangelernährung verstärken und zu Mangelerscheinungen führen. Eine Entzugs- und  Ernährungsbehandlung und -beratung wird der Arzt, wenn immer möglich, anstreben.

Chronische Durchblutungsstörungen des Darms


Eine langsam fortschreitende Arteriosklerose der Schlagadern (Arterien), die den Darm versorgen, verengt die betroffenen Gefäße. Symptome können längere Zeit  fehlen oder nur leicht ausgeprägt sein. Typisch sind beispielsweise Bauchschmerzen einige Stunden nach dem Essen.

Die verzögerten Beschwerden nach den Mahlzeiten hängen damit zusammen, dass die Verdauungsarbeit dem Darm mehr Energie abverlangt, die durch das verengte Gefäß nicht schnell genug auf dem Blutweg bereitgestellt werden kann. Ärzte sprechen dabei auch von „Angina abdominalis“. Wenn sich die Durchblutung weiter verschlechtert, kann eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut entstehen. Sie heißt in diesem Fall ischämische Kolitis. Dabei sind auch Geschwüre möglich. Es gibt verschiedene Auslöser, darunter Medikamente, andere Darmerkrankungen und bestimmte Formen der Gefäßentzündung (Vaskulitis).
Symptome: Zunächst treten noch keine Beschwerden auf. Im Laufe der Zeit stellen sich insbesondere nach dem Essen krampfartige Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten ein, eventuell auch Durchfälle, Ernährungsstörungen und Gewichtsverlust. Falls es bei stärkerem Durchblutungsmangel zu Geschwüren im Darm kommt, kann es zu Blutungen aus dem Darm (siehe Kapitel Enddarm, Dickdarm, Dünndarm, Abschnitt: Gefäßerkrankungen) kommen.
Diagnose: Es erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung mit Pulstastung. Beim Abhören kann der Arzt eventuell Strömungsgeräusche über dem Bauch und / oder den Halsschlagadern als Zeichen einer Gefäßverengung feststellen. Der Arzt überprüft das Risikoprofil für arteriosklerotische Gefäßerkrankungen: den Raucherstatus, den Blutdruck, die Blutfette, den Blutzucker, die Herz- und Nierenfunktion, meistens auch weitere Blutwerte. Neben klassischen Untersuchungen der Bauchorgane, zum Beispiel Ultraschall und Darmspiegelung, sind bei vermuteter Gefäßerkrankung ein Gefäßultraschall (Duplexsonografie), eine Computertomografie (CT) und eine Röntgendarstellung der Gefäße (Angiografie) zielführend.
Therapie: Bei einem chronischen Gefäßverschluss kann die Engstelle über einen Katheter aufgedehnt und mit einer Gefäßstütze offen gehalten werden. Alternativ wird manchmal eine Gefäßumgehung (Bypass) angelegt. Ansonsten können über den Katheter auch gefäßerweiternde Substanzen gegeben werden. Wichtig ist die Behandlung der Faktoren, die zur Arteriosklerose geführt haben, allen voran Einstellen des Rauchens. Mutmaßlich auslösende Medikamente wird der Arzt absetzen. Die weitere Therapie richtet sich nach den genauen Ursachen und klinischen Besonderheiten beim Patienten.

Tumoren und Polypen


Im Darmtrakt können verschiedenste Geschwülste (Tumoren), die von der Schleimhaut ausgehen, Durchfall hervorrufen. Es gibt gut- wie bösartige Formen.

Staut sich beispielsweise Stuhl vor einer Verengung im Dickdarm, verdauen Bakterien den Stuhlgang weiter, bis er dünnflüssig ist und die Engstelle passiert. Treten Durchfälle immer wieder im Wechsel mit Verstopfung auf, wird der Arzt einen Darmkrebs (zum Beispiel Mastdarmkrebs) als Grund ausschließen. Andere mögliche Ursachen wechselhafter Darmbeschwerden können zum Beispiel eine chronische Amöben-Infektion (siehe Kapitel „chronisch (1)“), der Reizdarm (siehe oben) sowie eine Diarrhö durch eine Nervenschädigung, etwa als Folge eines Diabetes (siehe unten), einer Amyloidose (ebenfalls Kapitel „chronisch (1)“) oder anderer Erkrankungen sein.

Polypen sind variantenreiche, gutartige Geschwülste des Magen-Darm-Traktes. Ihr Aufbau mit Stiel und Hut ähnelt Pilzen. Sie können einzeln, mehr- oder vielfach wachsen oder den gesamten Darm übersäen. Je nach Art und Größe kann nach fünf bis zehn Jahren aus einem gutartigen Darmpolyp eine bösartige Geschwulst, also Darmkrebs, entstehen. Ihre Entfernung ist eine der wirksamsten und vergleichsweise am wenigsten belastenden medizinischen Krebsvorbeugungen. Besondere Risiken bringen erbliche Polypenerkrankungen mit sich, sogenannte familiäre Polyposen. Bei diesen Erkrankungen sind im Zusammenhang mit stärkeren Eiweißverlusten über die Darmschleimhaut auch Durchfälle möglich. 
Symptome: Zum Darmkrebs siehe eingangs in diesem Abschnitt. Darmpolypen machen bis auf eine bestimmte Art, nämlich sogenannte villöse Adenome, lange Zeit keine Beschwerden. Villöse Adenome neigen häufiger zur Entartung (siehe auch unter „Hormonaktive Tumoren“ weiter unten). Möglich sind gelegentlich Blut- und Schleimabgänge. Größere Adenome können den Darm verlegen oder, wenn sie nah am Darmausgang liegen, nach außen vorfallen.
Diagnose und Therapie: Stummen Polypen – wie auch Darmkrebs – lässt sich durch einen Stuhltest auf verdecktes (okkultes) Blut auf die Spur kommen. Enddarmgeschwülste überprüft der Arzt zum einen mit der Tastuntersuchung, zum anderen mittels einer Ultraschalluntersuchung (Enddarmsonografie). Am besten ist der Nachweis über eine Darmspiegelung, bei der sich die Polypen, falls sie nicht übergroß sind, gleich entfernen lassen. Dann ist der Diagnoseschritt in der Regel auch die Therapie. Im Anschluss erfolgt immer eine feingewebliche Untersuchung. Größere Polypen trägt der Chirurg operativ ab. Je nach Ergebnis werden danach kontrollhalber Darmspiegelungen in bestimmten zeitlichen Abständen empfohlen. Zur Therapie des villösen Adenoms siehe unten („Hormonell aktive Tumoren“).

Das ausgesprochen seltene Cronkhite-Canada-Syndrom (siehe im Beitrag Darmpolypen) ist eine nahezu flächendeckende Polypose des Magen-Darm-Traktes mit dem Leitsymptom Durchfall. Bei dieser nicht erblichen Form der Polypose ist das Entartungsrisiko niedriger. Dennoch soll sich bei etwa 15 Prozent der Betroffenen im weiteren Verlauf eine Krebserkrankung im Magen-Darm-Trakt entwickeln können.
Symptome: Die Erkrankung tritt nach dem 50. Lebensjahr auf. Es kommt zu Diarrhö, Bauchschmerzen, Eiweißverlust, (Hypoproteinämie), eventuell Blutungen aus dem Darm. Begleitet wird die Krankheit von bräunlichen Hautflecken, Haarausfall und Nagelveränderungen.
Diagnose: Der direkte Weg zum Dickdarm besteht auch hier in einer Dickdarmspiegelung mit Gewebeentnahmen. Bei der Kolon-(Video-)Kapselendoskopie, die inzwischen auch zur Untersuchung des Dickdarms zugelassen ist, lassen sich allerdings keine Gewebeproben entnehmen. Bei Verdacht auf Befall des Dünndarms wird es etwas komplizierter. Hier kommen Verfahren wie eine Videokapselendoskopie und eine spezielle Form der Magnetresonanztomografie (sogenannte Hydro-MRT) infrage. Magen und oberster Dünndarm können anhand einer Magenspiegelung eingesehen werden.
Therapie: Die Behandlung besteht vor allem im Ersatz der verlorengegangenen Flüssigkeit und Blutsalze über die Blutbahn. Dies kann über längere Zeit notwendig sein. Da die Ursache der Erkrankung unbekannt ist, gibt es keine gezielte Therapie. Ärzte setzen manchmal unter anderem Kortison, Antihistaminika oder Cromoglycinsäure ein. Wichtig sind regelmäßige endoskopische Kontrolluntersuchungen.

Durchfall nach Magen-Darm-Operationen


Durchfälle nach bestimmten Operationen im Magen-Darm-Trakt sind keine seltene „Nebenwirkung“. Verschiedene Faktoren, die sich auch gegenseitig beeinflussen können, kommen hier zum Tragen, etwa ein umgeleiteter Verdauungsweg, eine Veränderung der bakteriellen Besiedlung des Darmes und Störungen beim Recycling von Gallensäuren.

Die betroffenen Patienten weisen den Arzt am besten darauf hin, dass sie eine entsprechende Operation hatten (was er bei der körperlichen Untersuchung anhand der Narbe auch nachvollziehen kann) und bringen sicherheitshalber vorhandene Unterlagen wie den Arztbrief mit. Je nach den bei der Untersuchung erhobenen Befunden wird der Arzt auch nach Ursachen suchen, die nicht zu den typischen Operationsfolgen gehören.
Nachfolgend in Kürze einige Beispiele, bei denen leider die Fachbezeichnungen unvermeidlich, wo möglich aber übersetzt sind. Auf die Operationen selbst kann nicht weiter eingegangen werden. So viel aber vorab: Für alle am Magen oder Darm operierten Patienten ist eine ausführliche Ernährungsberatung sehr wichtig.

Durchtrennung des Vagusnervs, der den Magen versorgt (Vagotomie)

Die Vagotomie wird heute praktisch nicht mehr durchgeführt, aber es gibt viele Patienten, deren Magengeschwür früher so behandelt wurde und die daher die möglichen Folgen kennen.

Symptome: Zu den Beschwerden gehören Völlegefühl, Aufstoßen, Rückfluss von Magensäure. Ein bis zwei Stunden nach dem Essen kann es zu Durchfällen durch ein Überangebot von Nahrung und Gallensäuren im Darm, zur gestörten Verdauung (Maldigestion) durch zu rasche Magenentleerung und verspätetes Anfluten der Verdauungssäfte kommen. In der Folge ist eine Blutarmut durch Mangel von Eisen und Vitamin B12 möglich.
Therapie: Üblich ist ein symptomatischer Behandlungsversuch, zum Beispiel mit Loperamid sowie Cholestyramin, um die Gallensäuren zu binden. Fehlende Vitamine, eventuell auch Eisen, werden ersetzt (Vorsicht, die Einnahme von Eisenpräparaten kann ebenfalls zu Durchfall führen). Eventuell ist ein Korrektureingriff sinnvoll.

Teilentfernung des Magens

Durchfall in dieser Situation ist in der Regel mit dem sogenannten „Frühdumping“ verbunden.

Dumping, englisch, bedeutet so viel wie Abstürzen. In der Medizin versteht man unter „Frühdumping“ eine Sturzentleerung des Restmagens 15 bis 30 Minuten nach der Nahrungsaufnahme. Ärzte sprechen hier auch vom Postgastrektomie-Syndrom nach Magenteilresektion. Dazu kommt es, weil der stark konzentrierte Mageninhalt schnell und viel Flüssigkeit aus dem Dünndarm anzieht, die dem Kreislauf dann fehlt. Auch die Überdehnung des Dünndarms löst Beschwerden aus, ebenso die in zu schneller Folge ausgeschütteten Verdauungshormone, die nebenbei auch die Darm- und Herztätigkeit beeinflussen.
Symptome: Es kommt zu Diarrhö, Aufstoßen, Übelkeit, Erbrechen, krampfartigen Bauchschmerzen, schnellem Puls, Herzklopfen, Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen, Schwindel.
Therapie: Den Patienten wird empfohlen, häufige kleine Mahlzeiten, täglich bis zu sechsmal, zu sich zu nehmen, dazu aber keine Flüssigkeit zu trinken, sondern zwischendurch. Die Nahrung sollte eiweißreich, aber arm an leicht verdaulichen Kohlenhydraten sein (keine Milch, kein Zucker). Außerdem können Mittel gegen Durchfall wie zum Beispiel Loperamid und ein sogenanntes Somatostatinanalogon (siehe unten: Karzinoide) eingesetzt werden. Bei nicht beherrschbaren Beschwerden ist eine operative Korrektur zu erwägen.


Besiedlung des Dünndarms mit Bakterien

Dass Bakterien den Dünndarm regelrecht besiedeln, ist nicht normal. Es werden dann die vor Ort tätigen Gallensäuren von den Keimen abgebaut und entfallen als Helfer für die Fettverdauung. Die Folgen sind Durchfälle, Fettstühle, Verlust an Nahrungsfett und fettlöslichen Vitaminen. Nahrungszucker und Vitamin B12 gehen dem Körper ebenfalls ab, da jetzt die Bakterien gut davon leben.

Die bakterielle „Fehlbesiedlung“ des Dünndarms kommt vor allem auf drei Wegen zustande: Entweder bleibt der Darminhalt liegen, weil der Dünndarm ihn nicht richtig weiterbefördert (funktionell). Das kann beispielsweise von Krankheiten wie Sklerodermie oder Diabetes herrühren, bei denen auch „Verdauungsnerven“ geschädigt werden.
Sodann gibt es anatomisch-mechanische Gründe. Im Dünndarm kann sich zum Beispiel eine Art Blindsack bilden, in dem Nahrung hängen bleibt. Schließlich kann eine direkte Verbindung zwischen Dünn- und Dickdarm bestehen. Jeweils kann der Darm von Bakterien überwuchert werden. Ursachen sind Darmerkrankungen, etwa krankhafte Dünndarmaussackungen (Divertikel), oder Verengungen durch Narben oder Ausstülpungen an Nahtstellen nach einer Operation. So kann nach Magenoperationen eine an den Restmagen angeschlossene Dünndarmschlinge zum „Blindsack“ werden.
Auch dass nach Teilentfernung des Magens die Magensäure fehlt, trägt zum Bakterienboom im Dünndarm bei.
Nach verkürzenden Dünndarmoperationen, vor allem bei Entfernung des letzten Abschnitts („terminales Ileum“), wo die Gallensäuren recycelt werden und Vitamin B12 aufgenommen wird, können Bakterien in den Dünndarm einwandern („Kurzdarm“, siehe unten).

Symptome: Es kommt zu Diarrhö mit und ohne Steatorrhö, Bauchschmerzen, Überblähung, Mangel an Vitamin B12 mit Blutarmut, Gewichtsverlust, Müdigkeit. Wichtig: Die Beschwerden können manchmal erst Jahre nach der Operation auftreten.
Diagnose: Der Weg zur Diagnose beginnt bei der Krankengeschichte. Dünndarmflüssigkeit, die bei einer Magenspiegelung gewonnen wird, kann auf Keime untersucht werden. Messungen der Blutspiegel von Vitamin B12 (niedrig wegen Verbrauchs durch die Bakterien) und Folsäure (eher erhöht wegen Produktion durch die Bakterien) geben weitere Auskunft. Mittels H2-Atemtest nach Gabe von Milchzucker (Laktose) oder Traubenzucker (Glukose) oder einem anderen geeigneten Test lässt sich eine bakterielle Fehlbesiedlung erkennen. Spezielle Testverfahren weisen Gallensäureverluste nach.
Therapie: Wenn eine operative Korrektur möglich ist, wird der Chirurg entsprechend tätig. Die konservative Behandlung umfasst die (wiederholte) Gabe eines Antibiotikums und eine diätetische Therapie. Je nach Ausmaß der Steatorrhö können bestimmte, leichter aufnehmbare Fettsäuren (sogenannte mittelkettige MCT-Fette) vorteilhaft sein. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente werden ersetzt. Vitamin B12 gibt der Arzt bei einem Defizit als Spritze. Wichtig ist natürlich die gezielte Therapie einer behandelbaren Grunderkrankung, etwa eines Morbus Crohn, der häufig das terminale Ileum (siehe oben) schädigt. 

Kurzdarmsyndrom

Eine Diarrhö ist auch die Folge, wenn ein Teil des Dünndarms (Dünndarmresektion) entfernt wurde. Neben der Diarrhö kann Steatorrhö auftreten.

Welcher Art und wie stark die Darmstörung ist, hängt hier von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel, ob das letzte Stück vor dem Dickdarm mitbetroffen ist, von wo aus die Gallensäuren wieder zur Leber zurückkehren und wo das Vitamin B12 aufgenommen wird. Oder ob die Klappe zwischen Dünn- und Dickdarm fehlt. Das führt dazu, dass Darminhalt schneller nach unten in den Dickdarm abflutet und Bakterien nach oben in den Dünndarm einwandern. Dazu kann es auch kommen, wenn der Dickdarm direkt an den Dünndarm angeschlossen wurde. Eine Darmverkürzung kann zudem zum Mangel des Enzyms Laktase und Milchzuckerunverträglichkeit führen. Dies alles verstärkt die Tendenz zu Durchfällen. Nicht zuletzt bewirkt das auch die auf der „Kurzstrecke“ verstärkte Wirkung der Magensäure und des Speisebreis, die den Darm vermehrt anregen, Flüssigkeit beizumischen. Je nach Ausmaß der Darmverkürzung sind aber dennoch positive Anpassungen der Verdauungsleistung möglich, falls Nahrung zumindest teilweise auf natürlichem Wege aufgenommen werden und der Darm üben kann.

Symptome: Leitsymptome sind Durchfall (Diarrhö) und Steatorrhö sowie Gewichtsverlust; der Bauch kann überbläht sein. Außerdem bilden sich vermehrt Nierenoxalatsteine und cholesterinhaltige Gallensteine.
Therapie: Je nach Ausmaß der Beschwerden können Protonenpumpenblocker, die die Bildung von Magensäure hemmen, hilfreich sein. Auch Mittel gegen Durchfall wie Loperamid und eine fettmodifizierte (MCT, mittelkettige Fette), laktose- und ballaststoffarme Diät tragen zur Besserung bei. Wichtig ist immer der Ersatz fehlender Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Eine bakterielle Fehlbesiedlung wird der Arzt entsprechend auffangen (siehe oben). Mit Unterstützung durch geschulte Angehörige oder Betreuer kann auch zu Hause eine künstliche Ernährung über ein spezielles Kathetersystem, zum Beispiel einen „Port“, durchgeführt werden (heimparenterale Ernährung). Weitere Therapien werden erforscht, um Patienten mit Kurzdarm, die heute alle Altersgruppen betreffen, künftig noch besser helfen zu können.

Pouch und Pouchitis

Unter einem Pouch versteht man ein aus einer Dünndarmschlinge operativ angelegtes Stuhlbehältnis. Pouchitis bedeutet Entzündung der Anlage.

Mit dem Aufbau eines Pouches vermeidet der Chirurg einen künstlichen Darmausgang, wenn beispielsweise bei Patienten mit einer schweren Colitis ulcerosa oder einer familiären Polyposis der gesamte Dickdarm entfernt werden musste. Auch wenn durchfallähnliche, mehrfache Stuhlentleerungen hier eine normale Folge sind, ist der Beitrag zur Lebensqualität der Betroffenen enorm. Problem kann sein, dass der Pouch sich entzündet. Dies macht sich mit einer deutlich gesteigerten Entleerungsfrequenz, Bauchkrämpfen und Blutabgängen bemerkbar.

Mehr dazu unter „Blut am After /aus dem Darm“, Kapitel „Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm“, Abschnitt Pouchitis.

Strahlenbehandlung

Eine Bestrahlungsbehandlung eines Organs im Bauch- oder Beckenraum wegen eines Tumorleidens kann den Darm – Dünndarm und Dickdarm – nicht nur akut beeinträchtigen, sondern führt oft auch dauerhaft zu Problemen.

Monate nach der Strahlentherapie kann die Schleimhaut verkümmern (Atrophie). Die Gefäße sind verödet, die Wandschichten verhärten sich. Noch Jahre später können auch narbige Verengungen (Stenosen) des Darms auftreten.

Symptome: Die Scheimhautatrophie führt zu chronischem Durchfall und Gewichtsverlust. Eine Darmverengung zieht eine mehr oder weniger starke Verstopfung, eventuell auch Beschwerden wie bei Darmverschluss mit Stuhlverhalt und starken Bauchschmerzen nach sich. Auch Vereiterungen (Abszesse) mit Fieber oder Blutungen sind möglich. Oder es bilden sich Fisteln, Kurzschlüsse zwischen Darmschlingen oder Verbindungsgänge zwischen dem Darm und einem Nachbarorgan oder der Haut. Die Symptome hängen von den Veränderungen im Einzelfall ab.
Diagnose und Therapie erfolgen in der Klinik. Erste Hinweise ergeben die Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung. Mittels Ultraschall und radiologischer Diagnostik, insbesondere einer Computertomografie (CT), je nach Befinden des Patienten eventuell auch einer Röntgenuntersuchung des Darms mit Kontrastmittel werden andere Ursachen ausgeschlossen. Die Therapie richtet sich nach den Symptomen und der Diagnose. Wenn keine strikt operationsbedürftige Situation vorliegt, wird der Patient nach Möglichkeit konservativ behandelt. Das bedeutet, dass in der Regel eine künstliche Ernährung über die Blutbahn notwendig ist. Dies gilt bedingt auch für eine Darmverengung.

Hormonell aktive Tumoren

Der Fachbegriff für diese Erkrankungen lautet „neuroendokrine Tumoren“. Sie sind gut- oder bösartig und stammen von speziellen Zellen aus der Bauchspeicheldrüse, dem Darm oder Magen ab. Manchmal finden sie sich auch in der Lunge, in den Nebennieren oder in der Schilddrüse.

Die Hormonbildung ist krankhaft und hat mit dem normalen Hormonsystem, das natürlich auch einmal an der einen oder anderen Stelle erkranken kann, nichts zu tun.
Neuroendokrin bedeutet sowohl „drüsen-“ (endokrin) als auch „nervenaktiv“(neuro-). Neuroendokrine Tumoren bilden außer Verdauungshormonen auch Nervenbotenstoffe. Wenn sie die Stoffe ins Blut ausschütten, kann es zu vielfältigen Symptomen kommen.
Manchmal werden sie sehr groß oder entsenden Tochtergeschwülste (Metastasen) und machen auch dadurch Beschwerden. Diese Veränderungen gelten als Zeichen von Bösartigkeit.

Es gibt außerdem Erbkrankheiten, die häufiger zu neuroendokrinen Geschwülsten führen, zum Beispiel die multiple endokrine Neoplasie (MEN). Darunter versteht man das familiär gehäufte Auftreten von neuroendokrinen Tumoren der Bauchspeicheldrüse oder der Schilddrüse zusammen mit einem Tumor in einer anderen Drüse, etwa in den Nebenschilddrüsen, Nebennieren oder auch in der Hirnanhangsdrüse.

Zu den neuroendokrinen Tumoren, die Durchfall auslösen, gehören einmal das Gastrinom (Zollinger-Ellison-Syndrom, bildet vor allem das Hormon Gastrin), das häufig in der Bauchspeicheldrüse entsteht, zum anderen weitere, in dieser Drüse angesiedelte Tumoren wie das Vipom (Verner-Morrison-Syndrom). Vor allem im Darm kommen die sogenannten Karzinoide vor. Zu nennen sind außerdem das Somatostatinom (sein Hormon ist das Somatostatin) und die sehr seltenen, das Hormon Kalzitonin bildenden Tumoren. Auch das villöse Adenom (kommt im Dickdarm vor) und das medulläre Schilddrüsenkarzinom gehören zu den neuroendokrinen Tumoren. Es sind alles in allem seltene Erkrankungen: Es erkrankt nur etwa einer von fünfzig bis hunderttausend Einwohnern.

Gastrinom (Zollinger-Ellison-Syndrom)

Dieser Tumor entsteht in der Bauchspeicheldrüse oder auch im Zwölffingerdarm, dem obersten Dünndarmabschnitt. Es produziert vor allem das Hormon Gastrin, das eigentlich der Magenschleimhaut vorbehalten ist und die Bildung der Magensäure anregt.

Weitere mögliche Entstehungsorte sind die Leber, Lymphknoten im Bauchraum, die Gallenwege, Eierstöcke und sogar das Herz. Bei etwa einem Viertel bis Fünftel der Patienten sind Gastrinome mit einer MEN des Typs 1 verbunden. Dabei kommt es auch zur Überfunktion der Nebenschilddrüsen und Nierensteinen (zur MEN siehe oben).

Symptome: Typisch sind Magengeschwüre, die trotz gezielter Therapie hartnäckig wiederkehren. Begleitsymptome sind Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen. Ein Drittel der Betroffenen leidet zusätzlich an voluminöser wässriger Diarrhö und Gewichtsverlust. Diese kommt durch die gestörte Fettverdauung zustande, die wiederum eine Folge der starken Magensäurebildung durch Gastrin ist: Der saure Mageninhalt hemmt die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse.
Diagnose: Die Beschwerden sind richtungweisend. Gastrin kann im Blut gemessen werden. Ein Funktionstest kann das Gastrinom aufgrund starker Gastrinreaktion beweisen. Mit einer endoskopischen Ultraschalluntersuchung und einer speziellen Szintigrafie kann die Geschwulst geortet werden.
Threapie: Medikamente namens Protonenpumpenhemmer blockieren die Produktion der Magensäure. Ein isoliert vorkommendes Gastrinom wird chirurgisch entfernt.

Vipom (Verner-Morrison-Syndrom)

Das Hormon dieser in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) wachsenden, meist bösartigen Geschwulst heißt vasoaktives intestinales Polypeptid (VIP).

VIP gelangt in den Kreislauf und verursacht die sogenannte „pankreatische Cholera“ – übersetzt bedeutet das so viel wie „massive wässrige Durchfälle, ausgelöst von der Bauchspeicheldrüse“.
Symptome: Vipome können bis zu unglaubliche 30 (!) Liter Stuhl am Tag und starke Bauchkrämpfe auslösen. Die Folgen: lebensbedrohliche Austrocknung, Salzmangel, Störungen der Muskulatur, Schwäche, Verwirrtheitszustände, Kollaps. Weitere Hormone des Tumors können das Krankheitsbild noch komplizierter machen, zum Beispiel durch einen erhöhen Blutzucker oder einen erhöhten Blutkalziumspiegel.
Diagnose: Die Symptome und bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), mittels derer die Geschwulst in der Regel entdeckt wird, sichern zusammen mit Blutuntersuchungen die Diagnose. 
Therapie: Schnellstmöglicher Flüssigkeits- und Salzersatz ist das oberste Gebot, begleitet von baldiger Gabe eines sogenannten Somatostatinanalogons wie zum Beispiel Octreotid. Dieses Mittel wirkt häufig längere Zeit recht gut gegen die Diarrhö. Mitunter wird auch Kortison eingesetzt, außerdem Loperamid gegen die Durchfälle. Da der Tumor oft schon Metastasen gebildet hat, wenn er sich bemerkbar macht, ist eine chirurgische Entfernung kaum möglich, jedoch eine Verkleinerung. Eventuell kommt eine Chemotherapie, gegen Lebermetastasen auch eine sogenannte Chemoembolisation in Betracht. Dabei wird über einen Gefäßkatheter ein Zytostatikum an den Tumor oder die Metastase in der Leber herangebracht und das versorgende Gefäß mit chemischen Partikeln verschlossen (embolisiert). Mit diesen gezielten Maßnahmen sind trotz Metastasen längere Überlebenszeiten möglich.

Karzinoid

Diese Tumoren kommen vor allem im Blinddarm (genauer: im Wurmfortsatz des Blinddarms, Appendix), im Dünndarm (im letzten Abschnitt vor dem Dickdarm), im Enddarm, im Magen und in den Bronchien vor. Sie können mehr als 20 verschiedene Hormone produzieren. Wichtigste Hormone sind Serotonin und Histamin.

Karzinoide verhalten sich sehr unterschiedlich. Im Blinddarm (gutartig) werden sie manchmal nur zufällig anlässlich einer Blinddarmoperation entdeckt. Im Dünndarm wachsende Karzinoide können den Darm einengen und Anzeichen eines Darmverschlusses machen, ansonsten aber „stumm“ sein. Andere Dünndarm-Karzinoide wiederum machen typische Beschwerden, wie nachfolgend beschrieben. Wenn von einem „Karzinoidsyndrom“ die Rede ist, bedeutet das, dass ein Karzinoid-Tumor im Zuge der Absiedlung in der Leber bestimmte Symptome macht, zu denen es vorher nicht kommt, weil die verantwortlichen Hormone noch abgebaut werden.


Symptome: Starke wässrige Diarrhö oder Steatorrhö, anfallsartige Hitzewallungen mit Rötung am Kopf und Hals (Flush), Herzjagen und Schwitzen gehören zu den Leitsymptomen. Stress, Alkohol und Essen können die Attacken verstärken. Ausgehend von den Bronchien kommt es manchmal kommt es auch zu asthmaartigem Giemen. Eventuell treten Hautveränderungen und bestimmte  Herzklappenfehler auf, verbunden mit einer Herzschwäche (Versteifung der rechten Herzkammer).
Diagnose: Das Beschwerdebild ist sehr verdächtig auf ein Karzinoid (ansonsten auf eine Mastozytose, siehen unten). Im Urin wird ein Abbauprodukt von Serotonin, dem hauptverantwortlichen Hormon, gemessen. Vor allem bestimmte szintigrafische Verfahren stützen die Diagnose.
Therapie: Das Karzinoidsyndrom spricht oft gut auf Somatostatinanaloga wie Octreotid an. Auch Interferon wird eingesetzt. Die Bronchien erweiternde Medikamente wirken gegen das Giemen. Alkohol sollte weggelassen werden. Als an der Ursache orientierte Therapie wird der Karzinoidtumor nebst Metastasen nach Möglichkeit entfernt. Bei Leberbefall kommt eventuell eine Chemoembolisation (siehe oben, Vipom) in Betracht. Auch bestimmte Chemotherapien werden eingesetzt.

Mastozytose

Bei der Mastozytose vermehrt sich eine Mastzelle (Stammzelle) im Knochenmark klonartig. In der Folge nimmt der Besatz mit Mastzellen im Körper zu. Es gibt verschiedene Formen der Hautmastozytose und eine systemische Variante.

Mastzellen gehören zu den weißen Blutzellen und damit zur Immunabwehr. Sie entstehen im Knochenmark, kommen aber überall im Körper vor. Bevorzugt sitzen sie im Bindegewebe, zum Beispiel unter den Schleimhäuten des Darms und der Bronchien oder in der Nähe von Gefäßen und Nerven. Mastzellen enthalten äußerst reaktive hormonartige Botenstoffe in hoher Dichte, zum Beispiel Histamin. Es gibt verschiedene Formen der Mastozytose, etwa das einzelne Mastozytom der Haut, die Haut-Mastozytose mit unterschiedlich verbreiteten Herden in der Haut und die systemische Mastozytose, bei der innere Organe, eventuell auch das Gehirn, betroffen sind. Die systemische Erkrankung ist gutartig, kann aber selten in eine Leukämie übergehen. Bei Darmbefall ist eine starke Diarrhö möglich, welche durch Mastzellanreicherung und damit verbundene Wirkungen im Darm zustande kommt.

Symptome:
Das Beschwerdebild ähnelt in gewisser Weise dem zuvor beschriebenen Karzinoidsyndrom. Es kommt zu Juckreiz, anfalllsartiger Verfärbung der Gesichtshaut (Flush), migräneartigen Kopfschmerzen, Kollapszuständen, Bauchkoliken, voluminöser Diarrhö. Mögliche Folgen sind eine gestörte Nährstoffverwertung (Malabsorption) mit Mangelerscheinungen. Die Attacken können auch als Reaktion auf Arzneimittel wie zum Beispiel nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und Substanzen, die Histamin aus den Mastzellen freisetzen (Histaminliberatoren, zum Beispiel Röntgenkontrastmittel oder bestimmte Stoffe bzw. Zusatzstoffe in Lebensmitteln) auftreten. Alkohol kann die Beschwerden verstärken.
Diagnose: Die Beschwerden sind richtungweisend. Bei Verdacht auf die systemische Form ergeben Biopsien aus dem Knochenmark und anderen beroffenen Organen zusammen mit speziellen Blut- und Urinuntersuchungen die Diagnose. Ergänzend können Untersuchungen des Magen-Darm-Traktes und weitere Diagnoseschritte bis hin zu neurologischen Tests notwendig sein. Wichtig ist immer der Ausschluss eines Karzinoids (siehe oben) und einer anderen Erkrankung namens Phäochromozytom (siehe unten).
Therapie: Gegen Juckreiz helfen Medikamente wie H1-Antihistaminika und gegen Folgen eines entstehenden Magensäureüberschusses H2-Blocker. Die Durchfälle und Bauchkrämpfe können mit Cromoglycinsäure zum Einnehmen behandelt werden. Auf Alkohol sollte verzichtet werden. Eventuell wird Kortison innerlich bei schwerer Malabsorption eingesetzt. Ansonsten folgt die Therapie der Symptomatik und Ausprägung des Krankheitsbildes. So ist bei leukämisch verlaufenden Formen eine Chemotherapie notwendig.

Somatostatinom

Diese sehr seltene Geschwulst, die häufiger in der Bauchspeicheldrüse, aber auch im Dünndarm wachsen kann, bildet große Mengen des Hormons Somatostatin.

Der Nervenbotenstoff spielt nicht nur im zentralen Nervensystem, sondern auch im Magen-Darm-Trakt eine Rolle. Dort kann er fast alle Verdauungshormone blockieren. Im Verlauf der Erkrankung können sich in der Leber Tochtergeschwülste bilden. Dies kommt häufiger bei den in der Bauchspeicheldrüse liegenden Tumoren vor.
Symptome: Je nach Lokalisation der Geschwulst entsteht in unterschiedlicher Häufigkeit ein Diabetes, es kommt zu Gallensteinen, die mit Koliken einhergehen können, zu Diarrhö / Steatorrhö, Salzverlust und Gewichtsabnahme. Manche Tumoren machen keine Beschwerden und werden nur zufällig entdeckt, wenn zum Beispiel die Gallenblase entfernt wird.
Diagnose: Erhöhte Somatostatinwerte im Blut weisen neben den Beschwerden auf die Erkrankung hin.
Therapie: Es wird eine Operation angestrebt, sofern nicht zu viele Metastasen vorhanden sind. Dabei wird auch die Gallenblase entfernt. Medikamentös sind Somatostatinanaloga wie zum Beispiel Octreotid geeignet. Loperamid kann den Durchfall günstig beeinflussen.

Villöses Adenom

Adenome sind gutartige Darmpolypen (siehe weiter oben). Villöse Adenomen präsentieren sich oft als relativ breitbasige Geschwülste und befinden sich am häufigsten am Ende des Sigma, dem S-förmigen Teil des unteren Dickdarms, oder im Enddarm.
Falls villöse Adenome über zwei Zentimeter groß sind, was häufiger verkommt, beträgt ihr Entartungsrisiko 50 Prozent. Daher ist es besonders wichtig, diese Polypenart zu entfernen. Während Polypen, somit auch Adenome, normalerweise keine Beschwerden machen, können große villöse Adenome selten bedrohliche Durchfälle auslösen. Die Durchfälle können allmählich einsetzen und dann ein dramatisches Ausmaß annehmen. In diesem symptomatischen Fall zählen villöse Adenome zu den neuroendokrinen Tumoren, da von ihnen gebildete Gewebshormonone für Symptome verantwortlich sind.

Symptome: Typisch sind dann starke, wässrige, schleimige Diarrhöen und damit verbunden ein Mangel an Blutsalzen, vor allem Kalium, und Eiweiß. Der Flüssigkeitsverlust führt zu Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen und anderen, äußerst bedrohlichen Störungen.
Diagnose: Sie ergibt sich aus dem Beschwerdebild und dem Ausschluss sonstiger Ursachen, nicht zuletzt mittels einer Darmspiegelung und feingeweblichen Untersuchung.
Therapie: Wichtig ist – vor allem in der bedrohlichen Situation – der sofortige Flüssigkeits- und Salzersatz. Der das Adenom tragende Darmabschnitt wird in der Regel operativ entfernt, da die Geschwulst sehr groß ist (kleinere villöse Adenome, die meistens nicht hormonell aktiv sind, können dagegen endoskopisch abgetragen werden).

Medulläre Schilddrüsenkarzinome

Dieser Schilddrüsenkrebs kommt in einer vererbbaren Form, in einer weiteren erblichen Form im Rahmen der MEN (Typ 2) und als nicht erbliche, „sporadische“ Form vor.

Auf die MEN wurde eingangs im Abschnitt „Neuroendokrine Tumoren“ schon eingegangen. Entsteht die Erkrankung im Rahmen der MEN, tritt zusätzlich ein sogenanntes Phäochromozytom (ein neuroendokriner Tumor des Nebennierenmarks; Leitsymptom: Blutdruckkrisen, Schwitzen und Gesichtsblässe), manchmal auch eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) auf. Medulläre Schilddrüsenkarzinome wachsen langsam, sind länger symptomarm, können aber relativ frühzeitig Tochtergeschwülste bilden. Die Tumorzellen produzieren verschiedene, im Verdauungstrakt wirksame Hormone sowie Kalzitonin. Kalzitonin spielt bei der Regelung des Kalzium- und Knochenstoffwechsels eine Rolle, wirkt sich aber bei der vorliegenden Erkrankung kaum in dieser Richtung aus.

Symptome: Wässrige Diarrhö kann das erste Symptom sein. Eine ausgeprägte Diarrhö ist allerdings häufig mit Metastasierung verbunden.
Diagnose: Ein deutlich erhöhter Spiegel von Kalzitonin oder ein überschießender Anstieg des Hormons bei einem Funktionstest weisen auf das Karzinom hin. Die Schilddrüse wird mittels Sonografie einschließlich Farbdoppler, Szintigrafie und einer Feinnadelpunktion untersucht. Vor der Operation – der wichtigsten Therapiemaßnahme – werden außerdem weitere bildgebende Verfahren durchgeführt, zum Beispiel eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT). Den Patienten wird außerdem zu einem Gentest geraten. Ist er positiv, sollten auch die Angehörigen ab dem dritten Lebensjahr untersucht werden (Famienscreening). Aus einem positiven Gentest ergibt sich bei allen Betroffenen die Empfehlung zur Schilddrüsenoperation, weil die Wahrscheinlichkeit, selbst an Krebs zu erkranken, so gut wie sicher ist. Bei Verdacht auf MEN schließen sich Untersuchungen auch in dieser Richtung an.
Therapie: Die Schilddrüse wird komplett entfernt, eventuell auch umgebendes Gewebe nebst Lymphknoten. Zur Verlaufskontrolle dienen vor allem Messungen von Kalzintonin und des Tumormarkers CEA.

Überfunktion der Schilddrüse

Manchmal stecken auch Störungen des regulären Hormonsystems hinter Durchfall, zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion.

Die Überfunktion kann mehrere Ursachen haben, verschiedene Formen aufweisen und zahlreiche Symptome machen, daher auch viele Krankheiten nachahmen.
Symptome: Durchfall wurde als Symptom bereits genannt. Mit dem Ausmaß der Überfunktion kann die Diarrhö zunehmen und zu bedrohlicher Austrocknung führen. Dies kann bei Entgleisungen der Überfunktion, wenn sie sich zu einer krisenhaften Situation steigert, vorkommen („thyreotxische Krise“). In leichteren Fällen normalisiert sich manchmal auch „nur“ eine sonst gewohnte Verstopfung. Das Herz kann bei Überfunktion stark klopfen, der Puls beschleunigt sein. Wärme wird schlecht vertragen, die Haare können vermehrt ausfallen. Zu den möglichen psychischen Veränderungen durch die Überfunktion gehören unter anderem Zittern, Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität und Angstzustände.
Diagnose: Richtungweisend kann hier schon, muss aber nicht, ein sicht- oder tastbarer Kropf sein. Ein Bluttest gibt beim ersten Verdacht klare Hinweise, an die sich weitere Untersuchungen anschließen können.

Therapie: Mit der Behandlung der Überfunktion bilden sich die Symptome zurück. Je nach Ursache sind verschiedene Behandlungswege möglich, beispielsweise eine medikamentöse „Bremse“ der Schilddrüsenfunktion, eine Operation oder eine Radiojodtherapie.

Weitere Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Beitrag Schilddrüsenüberfunktion.


Nebennierenrindenunterfunktion

Auch die Nebennieren sind lebenswichtige Hormondrüsen. Sie sitzen kappenförmig den Nieren auf. In der Nebennierenrinde werden die Hormone Aldosteron und Kortisol gebildet, außerdem Androgene wie Testosteron oder das inzwischen allgemein recht bekannte DHEA.

Kortisol gilt als Stresshormon und stellt dem Körper Energie bereit, Aldosteron regelt den Wasser- und Salzhaushalt. Ohne diese Hormone ist der Mensch nicht lebensfähig. Für eine Nebennierenrindenunterfunktion gibt es zahlreiche Gründe – von der operativen Entfernung (zum Beispiel wegen einer Geschwulst) über Immunstörungen bis zu Langzeitbehandlungen mit Kortison. Störungen des übergeordneten Zentrums im Gehirn, das die Arbeit der Nebennierenrinde steuert, können die Drüsenfunktion ebenfalls beeinflussen.
Symptome: Wenn die Nebennierenrinde spürbar nicht mehr richtig arbeitet, liegt ihre Funktion schon zum großen Teil brach. Durchfälle und andere Verdauungsbeschwerden reihen sich in weitere Störungen ein, vor allem Schwäche, starke Ermüdbarkeit, niedriger Blutdruck, Austrocknung. Unter deutlichen Belastungen kann jederzeit ein Krisenzustand mit Schock oder Koma einsetzen.
Diagnose und Therapie: Bei fehlenden Hinweisen in der Krankengeschichte lässt sich der Arzt umso mehr von den Symptomen leiten, um mittels gezielter Diagnostik die Ursache herauszufinden und eine daran orientierte Therapie einzuleiten. Dabei kommen die verschiedensten Maßnahmen zum Einsatz. Die Hormonspiegel und ihre Regelung können gemessen, die fehlenden Hormone müssen ersetzt werden.


Diabetes mellitus

Bei der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus ist der Blutzucker (Glukose) erhöht. Dadurch kann es akut und chronisch zu schwerwiegenden Krankheitsfolgen kommen, darunter Nervenschädigungen, die auch die Darmtätigkeit beeinträchtigen.

Es gibt hauptsächlich zwei Formen. Diabetes Typ 1 ist eine immunologisch bedingte Erkrankung, die am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von elf bis dreizehn Jahren auftritt. Es kommt hier zu einem absoluten Insulinmangel. Insulin ist für einen geordneten Zuckerstoffwechsel notwendig. Wenn es fehlt, muss es gespritzt werden. Ohne diese Therapie würden die Betroffenen nicht überleben. Mit der Therapie ist ein nahezu normaler Alltag möglich. Der Diabetes Typ 2 stellt sich dagegen meistens erst nach dem 40. Lebensjahr ein, auch wenn sich heute eine Tendenz zu jüngeren Altersgruppen abzeichnet. Das hängt offenbar damit zusammen, dass Bewegungsmangel, kalorienreiche Ernährung und Übergewicht in unserer Gesellschaft immer weitere Kreise ziehen. Diabetes Typ 2 kann häufig mit einer Lebensstilveränderung, insbesondere angepasster Ernährung und Bewegungstherapie, sodann Tabletten gut in den Griff bekommen werden. Meistens ist Insulin erst im weiteren Verlauf nötig.

Jeder zwanzigste Diabetiker, der an Typ 1 erkrankt ist, doppelt so häufig Mädchen wie Jungen, hat eine Zöliakie, also eine sogenannte glutensensitive Enteropathie. „Glutensensitiv“ bedeutet überempfindlich gegenüber Gluten; Enteropathie bezeichnet die dabei mögliche Dünndarmschädigung.

Symptome: Möglich sind wässrige Durchfälle. Weitere Symptome: stark schwankende Blutzuckerwerte (sogenannter „Brittle-Diabetes“) trotz eigentlich korrekter Therapie, eventuell auch Blutarmut durch einen Eisenmangel.
Diagnose: Im Hinblick auf eine den Diabetes Typ 1 begleitende Zöliakie wird eine Antikörperbestimmung im Blut (IgA-Transglutaminase A-Antikörper) vorgenommen. Werden Antikörper nachgewiesen, ist die Kontrolle einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm mittels einer Magen-Darm-Spiegelung notwendig. Auch an eine Milchzuckerunverträglichkeit oder eine bakterielle Fehlbesiedlung ist immer zu denken (siehe entsprechende Abschnitte weiter oben).
Therapie: Die Betroffenen müssen Lebensmittel mit Gluten streng meiden, da schon Spuren ihnen schaden können. Ansonsten gelten die üblichen Ernährungsempfehlungen einschließlich regelmäßiger Blutzuckerselbstkontrollen für insulinspritzende Diabetiker.

Siehe auch weiter oben: Zöliakie sowie Milchzuckerunverträglichkeit und unter dem gesonderten Beitrag Zöliakie.

Menschen mit Diabetes Typ 2 dagegen haben nicht seltener oder häufiger mit einer Gluten-Unverträglichkeit zu tun als der Durchschnitt der Bevölkerung. Jedoch gibt es bei länger bestehendem Diabetes – sei es Typ 1, sei es Typ 2 – eine andere Durchfallursache: Es kann durch die Zuckerkrankheit nämlich zur Schädigung der Magen-Darm-Nerven im Rahmen einer Neuropathie, genauer: einer autonomen intestinalen Neuropathie, kommen. Damit gehen Störungen des vegetativen, nicht dem Willen unterliegenden Nervensystems einher, das nicht nur die Verdauungsarbeit, sondern auch die Herztätigkeit, die Blasenfunktion und viele andere, automatisch ablaufenden Körpervorgänge regelt.

Symptome: Die Schädigung vegetativer Nerven stört die Arbeit der betroffenen Organe. Seitens des Dünndarms treten wässrige Diarrhöen auf, teilweise auch nachts, während der Dickdarm mit Verstopfung und Blähungen reagiert. Somit können auch beide Formen von Darmunregelmäßigkeiten im Wechsel entstehen. Wenn sie sich teilweise ausgleichen, kann es dennoch phasenweise zu Durchfall kommen.
Diagnose: In der Regel kann der Arzt aus dem Krankheitsverlauf, den Beschwerden und bereits vorliegenden anderen Langzeitschäden des Diabetes, zum Beispiel am Herzen und an den Gefühls- und Bewegungsnerven, die Diagnose ableiten. Allerdings ist das noch kein Beweis. Daher müssen verschiedene andere, auch neurologische Ursachen, angeschlossen werden. Die Bewegungs- oder Motilitätsstörung des Dünndarms kann beispielsweise anhand aufwändiger Untersuchungen durch den Spezialisten nachvollzogen werden – von einer Druckmessung (Manometrie) im Magen und Dünndarm bis zu einer Dünndarmszintigrafie.
Therapie: Es ist nur eine symptomatische Behandlung mit Medikamenten wie Codeinphosphat Clonidin oder Loperamid möglich. Außerdem ist eine möglichst optimale Blutzuckereinstellung wichtig.

Gesonderte Beiträge informieren über Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2.



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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 11.05.2012
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Goodshot

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