Der eine klagt schon über Verstopfung, wenn er nicht jeden Morgen auf Toilette kann. Der andere erst, wenn am dritten Tag immer noch nichts geht. Jeder Mensch pflegt also ein individuelles Verhältnis zu seiner Darmtätigkeit. Verstopfung lässt sich nicht so einfach definieren.
Mediziner sprechen von Obstipation, wenn sich jemand weniger als dreimal pro Woche erleichtert. Der Darminhalt ist dann oft sehr hart, der Stuhlgang schmerzhaft. Je älter der Mensch, desto eher bekommt er Probleme mit der Verdauung. Denn „der Darm wird im Laufe des Lebens träger“, erklärt Dr. Andreas Leodolter, Gastroenterologe am Sana-Klinikum Remscheid.
Warum aber ist der Darm manchmal so faul? Schuld ist meist das eigene Verhalten. „Wer sich wenig bewegt, lieber Fastfood als Gemüse isst und nicht ausreichend trinkt, leidet oft an Verstopfung“, fasst Leodolter die Hauptgründe zusammen. Sitzt jemand den ganzen Tag am Schreibtisch und abends auf der Couch, kommt auch der Darm nicht in Schwung.
Im Gegensatz zu Brokkoli oder Paprika enthalten Chips und Pommes kaum Ballaststoffe. Die vergrößern aber das Volumen des Darminhaltes und regen die Verdauung an. Wer das Trinken vergisst oder meint, ein Glas Wasser pro Tag reiche aus, braucht sich nicht zu wundern, wenn es im Darm nicht rund läuft. Normal holt sich der Körper über den Dickdarm fehlende Flüssigkeit zurück, der Stuhl wird dadurch eingedickt. „Trinkt jemand zu wenig, wird im Darm noch mehr Wasser abgezweigt und der Stuhl dadurch fester“, sagt der Remscheider Gastroenterologe.
Medikamente – zum Beispiel Mittel gegen Sodbrennen, Depressionen oder starke Schmerzen – können als unerwünschter Nebeneffekt ebenfalls verstopfend wirken. Und laut Leodolter nicht zu vergessen: Mangelnde Stuhlhygiene verleitet zu Darmträgheit. Gemeint ist damit, dass sich viele Menschen nicht genügend Zeit für ihr „Geschäft“ nehmen, den Stuhlgang unterdrücken. Auch die Psyche beeinflusst die Verdauung.
Abführmittel, die Bisacodyl oder Natriumpicosulfat enthalten, bringen den Darm zwar schnell auf Trab, dürfen aber nur kurzfristig angewendet werden. Wer diese Arzneistoffe öfter benutzt, schadet der Verdauung. Denn bei längerer Einnahme führen die Mittel ihrerseits zu Verstopfung.
Eine Alternative ist Macrogol. Die Substanz bindet Wasser im Dickdarm, erhöht dadurch das Volumen des Stuhls und weicht ihn auf. Ebenso wirkt Lactulose. Allerdings berichten Patienten bei diesem Arzneistoff häufig von einem unerwünschten Effekt: Blähungen.
Als pflanzliche Alternative stehen Leinsamen oder indischer Flohsamen zur Verfügung. Die Samen quellen im Darm auf und regen auf diesem Weg die Verdauung an. Ganz wichtig: Viel trinken! Sonst droht eventuell ein Darmverschluss.
Von Glauber- und Bittersalz sollte Mann oder Frau lieber die Finger lassen. „Die Mittel führen zu einem starken Verlust an Mineralstoffen, die für den Körper wichtig sind“, mahnt Leodolter.
Wie lässt sich vorbeugen? Eigentlich ganz einfach: Mindestens 1,5 Liter pro Tag trinken – sofern der Arzt nichts anderes verordnet hat. Tägliche Verdauungsspaziergänge einplanen und genügend Obst, Gemüse sowie Vollkornbrot essen.
Ändern sich die Stuhlgewohnheiten plötzlich, kommt es abwechselnd zu Verstopfung und Durchfall oder halten die Beschwerden länger an, sollte unbedingt ein Arzt die Probleme abklären.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
25.01.2010, aktualisiert am 16.01.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, iStock/Nina Malyna
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