... das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was der Darm tagtäglich leistet. Während der Speisebrei auf dem meterlangen Weg durch den Dünndarm hauptsächlich Nährstoffe an den Körper abgibt, wird der Darminhalt im Dickdarm durch Abschöpfen der Flüssigkeit eingedickt. Im End- oder Mastdarm, speziell im dehnbaren Reservoir oberhalb des Analkanals, der „Ampulle“, harrt der Stuhl dann seiner Entleerung. Umso wichtiger ist der kontrollierte Verschluss. Dafür sorgen Muskelsysteme, die willkürlich und unwillkürlich zusammenarbeiten. Auch die umliegenden Muskeln des Beckenbodens helfen mit. Schwellkörper, die ringsum unter der Darmschleimhaut sitzen und bei entsprechender Blutfülle das Gebiet gut abdichten, optimieren das Ergebnis (Feinkontinenz). Dabei tritt eine bestimmte Formation, die Sägezahnlinie, stärker hervor. Sie ist die anatomische Grenze zwischen dem Analkanal und Mastdarm. Für Chirurgen reicht der Analkanal dagegen ein paar Zentimeter höher, etwa bis zur Grenze des Beckenbodens. Der Darmausgang verfügt über eine feinnervige Innenhaut (Analhaut oder Anoderm), die mit „Sensorqualität“ den richtigen Moment für die Entleerung erkennt und den Vorgang mitsteuert.
An der Sägezahnlinie finden sich kleine Schluchten, sogenannte Krypten, die spärlich mit Drüsen besetzt sind. Entwicklungsgeschichtlich sind diese sogenannten Proktodealdrüsen Duftspender. Im Tierreich sind sie weitaus stärker ausgebildet und bedeutungsvoller als beim Menschen. Allerdings gehen von den Drüsen ab und zu eitrige Entzündungen im Analbereich aus, eventuell mit Einschmelzungen (Abszessen). Manchmal entwickeln sich daraus Gänge, sogenannte Fisteln.
Blut aus dem Darm, von Ärzten untere gastrointestinale Blutung genannt (gastro- steht für Magen, -intestinal bezieht sich auf den Darm), stammt überwiegend aus dem Dickdarm, der auch Kolon heißt. In zweiter Linie kommt es aus den unteren Darmetagen – dem Mastdarm oder Enddarm, und aus dem Analkanal. Viel seltener liegt die Blutungsquelle im Dünndarm, nicht ganz selten aber auch im oberen Verdauungstrakt. Die Grenze zwischen oben und unten, also zwischen Ober- und Unterbauch, bildet ein Band am Zwölffingerdarm, dem obersten Teil des Dünndarms. Es liegt vor dem Übergang in den mittleren Dünndarm (Leerdarm). Genaugenommen sind Dünndarmblutungen mittlere Gastrointestinalblutungen. Die oberen Gastrointestinalblutungen stammen aus der Speiseröhre, aus dem Magen oder dem oberen Zwölffingerdarm. Sie geben sich durch Erbrechen von frischem oder altem Blut oder anhand eines dunkel bis schwarz verfärbten Stuhls zu erkennen. Bei sehr starken oberen Blutungen kann es aber auch zu Absonderung von Blut aus dem Darm oder Blutauflagerung auf dem Stuhl kommen.
Bei Darmblutungen oder Blut am Darmausgang gibt es viele Varianten – schwache Blutungen, die nur in Spuren am Ausgang erscheinen oder dem Stuhl aufliegen, eventuell wiederholt auftretende, aber auch von selbst wieder vergehende Blutungen, sodann Sickerblutungen, blutige Durchfälle oder stärkste, äußerst bedrohliche Blutungen im Schwall. Wie auch immer – sichtbares Blut aus dem Darm ist in aller Regel ein Warnzeichen.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de;
08.09.2009, aktualisiert am 14.05.2012
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle
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