Was ist Harnblasenkrebs?
Harnblasenkrebs (Harnblasenkarzinom) tritt vorwiegend im höheren Lebensalter auf. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung sind Männer durchschnittlich 72 Jahre, Frauen 74 Jahre alt. Harnblasenkrebs betrifft Männer häufiger als Frauen. Im Jahr 2006 erkrankten in Deutschland 19.360 Männer und 8.090 Frauen daran. Meistens geht der Tumor von der Blasenschleimhaut (Urothel) aus.
Grundsätzlich sind bösartige Geschwülste der ableitenden Harnwege wie Harnleiter, Harnröhre, Nierenbecken und Blase im Vergleich zu anderen Krebsarten eher selten. Dennoch erkranken in Deutschland jedes Jahr knapp 30.000 Menschen an Blasenkrebs. Unter ihnen befinden sich häufig Raucher.
Häufigstes Symptom ist die schmerzlose Blutung aus der Blase mit rötlicher oder brauner Verfärbung des Urins. Auch verstärkter Harndrang, wobei immer nur geringe Mengen Urin entleert werden, können auf diese Tumorerkrankung hinweisen. Meist ist die Ursache für solche Beschwerden aber harmlos, etwa eine Blasenentzündung.
Wie bei anderen Krebserkrankungen auch, hängen die Heilungschancen eines Harnblasenkarzinoms davon ab, in welchem Stadium es entdeckt und behandelt wird.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens J. Rassweiler, Facharzt für Urologie und spezielle operative Urologie, medikamentöse Tumortherapie, Andrologie
Dr. med. Marcel Hruza
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Ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs haben Raucher. Eine weitere Risikogruppe sind Arbeiter in der Chemie-, Farb-, Aluminium- oder Textilindustrie sowie Schornsteinfeger, die beruflich krebsfördernden Stoffen (zum Beispiel Anilin, Benzidin oder Naphtylamin) ausgesetzt sind. Auch Friseure gehören durch den verstärkten Kontakt mit Haarfärbemitteln zur Risikogruppe.
Interessanterweise wird das Auftreten der Blasenkrebserkrankung oft erst sehr lange Zeit nach dem Kontakt mit der auslösenden Substanz beobachtet. Studien an Patienten, die beruflich bestimmten Chemikalien oder Teerverbindungen ausgesetzt waren, konnten zeigen, dass der Blasenkrebs in der Mehrzahl der Fälle erst Jahrzehnte nach Beendigung des Kontaktes zu den auslösenden Substanzen in Erscheinung trat.
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Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Leitsymptom im Zusammenhang mit Blasenkrebs ist die schmerzlose Makrohämaturie, das heißt die blutige Verfärbung des Urins, ohne dass dabei Schmerzen auftreten. Bei 80 Prozent der Patienten ist dies das erste Symptom, mit dem sich ein (bösartiger) Blasentumor bemerkbar macht. Aus diesem Grund sollte jeder Patient mit Blut im Urin einen Urologen oder eine Urologin aufsuchen. Durch die ärztliche Untersuchung des Harns und der Blase (Ultraschall, Blasenspiegelung) kann ein Blasentumor nachgewiesen oder ausgeschlossen werden.
Häufiger Harndrang, Schmerzen in der Blasengegend und das Gefühl der behinderten Blasenentleerung sowie Flankenschmerzen als Zeichen einer Abflussbehinderung des Urins beim Übertritt aus den Nieren in die Blase weisen möglicherweise auf einen schon sehr fortgeschrittenen Blasenkrebs hin. Das muss aber nicht immer so sein, denn die genannten Beschwerden können natürlich auch durch andere Erkrankungen bedingt sein, zum Beispiel eine gutartige Prostatavergrößerung oder Blasensteine.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza
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Der Schnelltest zur (Früh-)erkennung von Blasenkrebs beruht auf dem Nachweis eines Eiweißstoffes (Proteins), der bei Blasenkrebs von den Krebszellen in den Urin freigesetzt wird. Dieser Test wird vom Arzt durchgeführt und soll vor allem bei Patienten mit erhöhtem Blasenkrebsrisiko eingesetzt werden, um wiederholte Blasenspiegelungen zu ersetzen.
Der Test erkennt laut Studien Blasenkrebs in 80 Prozent der Fälle.
Das heißt aber auch, dass die mikroskopische Untersuchung des Urins und eine Blasenspiegelung (Zystoskopie), die heute auch mit flexiblen und damit sehr schonenden Instrumenten durchgeführt werden kann, wesentlich sicherer sind (nahezu 100 Prozent).
Außerdem lassen sich bei einer Blasenspiegelung Gewebeproben entnehmen, mittels derer Aussagen über das Stadium der Blasenkrebserkrankung und die mögliche Therapie getroffen werden können.
Hierbei kann die Fluoreszenzdiagnostik hilfreich sein: Dabei wird eine Stunde vor der Spiegelung eine Flüssigkeit in die Harnblase eingebracht. Wenn anschließend bei der Blasenspiegelung bestimmte Farbfilter verwendet werden, sind auch kleine, sonst für das Auge nur schwer zu erkennende Tumore leicht sichtbar, weil sie rot leuchten (dieses Leuchten bezeichnet man als Fluoreszenz).
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza
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Die Harnableitung nach Entfernung der Harnblase (Zystektomie) aufgrund eines Karzinoms kann auf verschiedene Arten erfolgen. Man unterscheidet grundsätzlich die kontinuierliche Harnableitung in einen Beutel von der kontinenten Harnableitung über eine „Ersatzblase“.
Bei den Ersatzblasen wird ein Harnreservoir aus einem Stück Darm geschaffen (Dünn- oder Dickdarm), nach dessen Entnahme der Darm wieder zusammengenäht (anastomosiert) wird. Das abgetrennte Darmsegment, dessen Durchblutung erhalten werden muss, wird zu einer Art „Beutel“ vernäht, in den die Harnleiter eingenäht werden. In diesem Blasenersatz wird der Urin aus den beiden Nieren aufgefangen und gespeichert. Das untere Ende des Beutels muss an die Harnröhre angeschlossen werden, um einen Abfluss zu gewährleisten. Die Kontinenz (das Halten des Wassers) wird durch die erhaltene Funktion des äußeren Blasenschließmuskels, der im Beckenboden liegt und die Harnröhre umschließt, erreicht.
Am häufigsten wird die Ileum-Neoblase („Neublase“) aus Dünndarm eingesetzt. Es existieren zahlreiche operationstechnische Varianten.
Voraussetzung ist jedoch, dass der Patient nicht zu alt ist (jünger als 70 Jahre, weil sonst das Risiko der Inkontinenz groß ist), und dass Harnröhre und äußerer Blasenschließmuskel bei der Operation erhalten werden konnten.
Alternativ kann eine kontinuierliche Dauerableitung des Harns in einen Klebebeutel erfolgen, meist in Form eines Ileum-Conduit (conduit, engl. Ableitung, Kanal). Inzwischen lassen sich diese Eingriffe auch mit Hilfe der Schlüssellochchirurgie (Laparoskopie, minimal invasive Technik) durchführen. Es wird wiederum ein Stück Darm abgetrennt und zu einem auf einer Seite offenen Beutel vernäht, in den die Harnleiter münden. Das offene Ende des Beutels wird, ähnlich einem künstlichen Darmausgang, in die Bauchdecke eingenäht. Über die Austrittsstelle des Conduits wird ein Klebebeutel gegeben, der den Urin auffängt und regelmäßig vom Patienten oder den pflegenden Angehörigen geleert werden muss. Die Klebebeutel-Versorgung wird von speziellen Pflegedienstmitarbeitern (Stoma-Therapeuten/innen) betreut, welche auch nach der Entlassung aus der Klinik Hausbesuche bei den Patienten machen.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 11.04.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Szczesny
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