Den ganzen Tag auf den Beinen und viel gestanden: Da staut sich das Blut leicht in den Beinvenen zurück
Bestimmte Druckverhältnisse sorgen dafür, dass die Körperflüssigkeiten in den ihnen zugedachten Bereichen im Gleichgewicht sind. So befindet sich ein großer Teil des Körperwassers innerhalb der Zellen, ein anderer Teil in den Zellzwischenräumen und in den Gefäßen. Über das Blut, das zum Großteil flüssig ist, gelangen Sauerstoff und Nährstoffe bis in alle Bereiche des Körpers, in jede Zelle und werden dort genutzt. Für die Versorgung sind die Arterien und kleinste Haargefäße, die Kapillaren, zuständig, die die Nährflüssigkeit an die Gewebe abgeben.
Den Abtransport von verbrauchten Stoffen, die im Stoffwechsel entstanden sind, wie vor allem Kohlendioxid und Schlacken, übernimmt das Venensystem. Die venösen Haargefäße saugen die Flüssigkeit wieder auf, und die Venen führen das sauerstoffarme Blut zum Herzen zurück. Das Lymphgefäßsystem befördert ebenfalls einen Teil der Flüssigkeit (Lymphe) sowie Eiweißstoffe aus den Geweben zu den Venen. Auch nimmt es Fette aus dem Darm auf und leitet sie ins Blut weiter. Außerdem spielt das Lymphsystem als Teil des Immunsystems für die Abwehr eine wichtige Rolle.
Eine Schwäche im Venen- oder im Lymphsystem führt dazu, dass der normale Flüssigkeitsaustausch nicht mehr funktioniert und Flüssigkeit im Gewebe zurückbleibt. Es kommt zu Schwellungen, auch Ödeme genannt. Allein langes Stehen oder Sitzen kann einen Blutstau in den Beinvenen bewirken, denn die Venen müssen das Blut größtenteils gegen die Schwerkraft zum Herzen befördern. Dabei helfen ihnen die Sogleistung des Herzens, die Arbeit der zuständigen Muskeln sowie Klappen in den Venen, die dafür sorgen, dass das Blut nicht wieder zurückfließt. Sind die Muskeln nicht aktiv, wie bei längerem Sitzen, sackt das Blut in den Venen ab, der Druck in den Gefäßen erhöht sich und die Flüssigkeit aus den Geweben kann nicht mehr richtig aufgesaugt werden. Auch bei großer Wärme dehnen sich die Venen aus, um Wärme abzugeben und damit die Körpertemperatur konstant zu halten. Auch dadurch wird der Abtransport vorübergehend gestört. Die Knöchel schwellen an, bisweilen auch die Unterschenkel.
Funktionieren die Venenklappen nicht mehr richtig, staut sich das Blut zurück, die Gefäße dehnen sich aus. Eine häufige Folge sind Krampfadern und Beinschwellungen. Krampfadern, Venenentzündungen oder eine tiefe Venenthrombose gehören zu den krankheitsbedingten Ursachen von dicken Beinen bzw. eines dicken Beins. Ebenso Störungen im Lymphsystem. Bei Lymphödemen sind neben Knöcheln und Füßen meist auch die Zehen mit betroffen.
Auch wenn das Herz seiner Pump- bzw. Sogleistung nicht mehr nachkommen kann, aufgrund einer Herzmuskelschwäche oder Herzinsuffizienz, erhöht sich der Druck in den Beinvenen und es bilden sich Ödeme.
Probleme in den Arterien können ebenfalls dazu führen, dass Gewebe anschwillt, zum Beispiel, wenn es unterversorgt wird, da eine Arterie chronisch verengt ist. Eine solche Durchblutungsstörung muss sofort behandelt werden, damit der betroffene Bereich nicht abstirbt und im schlimmsten Fall etwa ein Fuß oder Bein amputiert werden muss. Durch eine geschädigte Gefäßwand kann vermehrt Flüssigkeit austreten. Ursache können unter anderem Gefäßverkalkung und Entzündungen sein.
Schäden an den Gefäßen können zudem durch Infektionen, chemische Reize oder Verletzungen entstehen. So sondert das Gewebe im Zuge einer Abwehrreaktion etwa gegen Bakterien oder andere Krankheitserreger vermehrt Flüssigkeit wie Lymphflüssigkeit ab.
Übergeordnete Störungen im Stoffwechsel, im Eiweiß-, Wasser- und Mineralhaushalt beeinträchtigen von verschiedenen Seiten den geordneten Flüssigkeitsaustausch. Damit wird verständlich, warum Menschen, die an Diabetes, Nieren- oder Leberleiden erkrankt sind, häufig auch Probleme mit geschwollenen Beinen haben. Ebenso führen Ernährungsmängel zu Ödemen, etwa Eiweißmangelödemen bei Essstörungen oder Alkoholmissbrauch. Auch hormonelle Schwankungen beeinflussen den Stoffwechsel.
Nicht immer ist ein Flüssigkeitsstau die Ursache für sichtbare Schwellungen. Auch Fett kann sich im Gewebe ansammeln. Eine anlagebedingte Fettverteilungsstörung ist Ursache eines sogenannten Lipödems.
Ungesunde Lebensgewohnheiten, allen voran Bewegungsmangel und Übergewicht fördern Fettablagerungen und Gefäßschäden. Jede Vorsorge und Therapie wird auch immer hier mit ansetzen.
Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de;
10.08.2009, aktualisiert am 03.04.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF
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