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Angst:
Körperliche Erkrankungen, die Ängste verursachen können

Angstgefühle begleiten vor allem Erkrankungen, die Herz oder Lunge betreffen. Krankheiten, aber auch Substanzen, die das vegetative Nervensystem direkt beeinflussen oder Veränderungen im Gehirn bewirken, kommen ebenfalls als Auslöser infrage. Im Vordergrund stehen dabei aber stets andere Leitsymptome


Angstgefühle: Der Arzt prüft zunächst, ob keine gesundheitlichen Probleme vorliegen

Am häufigsten stellen sich Ängste im Zusammenhang mit Herzkrankheiten, Atemwegserkrankungen oder Schilddrüsenstörungen ein. Die Schmerzen bei einem Herzinfarkt oder die Atemnot bei einem Asthmaanfall lösen immer auch starke Ängste aus. Das gilt auch für Krankheiten, die mit Schmerz- oder Schwindelattacken bzw. Schockzuständen einhergehen. Eine weitere begleitende Rolle können Angstgefühle bei Nervenerkrankungen im Gehirn spielen.

Bei all diesen Erkrankungen stehen die Angstgefühle als Symptom jedoch nicht im Vordergrund. Sie können allerdings als Warnzeichen gesehen werden, und folglich ist es richtig, der Angst entsprechend sofort einen Notarzt zu alarmieren. Auch ein Panikanfall, obwohl er keine körperlich bedrohlichen Folgen hat, stellt ebenfalls eine Notlage dar, auf die reagiert werden muss. Die körperlichen Untersuchungen und weiteren Schritte zu einer klärenden Diagnose liegen in der Hand des Arztes bzw. weiterer Fachmediziner oder des Psychiaters.

Es kommt auch vor, dass Menschen mit einer Angststörung auf der Suche nach einer möglichen körperlichen Ursache sich immer wieder ergebnislos von unterschiedlichen Fachärzten untersuchen lassen, ihre Angsterkrankung jedoch nicht erkannt wird oder sie selbst diese nicht als Auslöser für ihre Beschwerden akzeptieren können.


Herzkrankheiten

Ist das Herz als unser Lebensmotor erkrankt, können die Beschwerden und schon allein das Bewusstsein um die möglicherweise bedrohte vitale Sicherheit Ängste auslösen. Besonders betroffen sind Menschen, die an Herzrhythmusstörungen, an Herzschwäche oder an einer koronaren Herzkrankheit (Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße), an Angina pectoris (Brustenge, anfallsartige Brustschmerzen), leiden bzw. einen Herzinfarkt erleben oder hinter sich haben.

Symptome für einen Herzinfarkt: Intensive Schmerzen hinter dem Brustbein, die anfallsartig einsetzen und vornehmlich auf der linken Seiten in die Schulter, den Arm bis in die Fingerspitzen oder in den Hals und Unterkiefer, manchmal auch in den Oberbauch ausstrahlen können. Sie halten länger an – 30 Minuten und mehr – und klingen auch in Ruhe nicht ab. Vernichtungsängste, Schweißausbrüche, Schwächegefühl, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel und Ohnmachtsgefühle können dazukommen.

Wichtig zu wissen: Der typische starke Brustschmerz kann bei Diabetikern mit Erkrankungen der Nerven oder bei Frauen fehlen.

! Bei Anzeichen für einen Herzinfarkt ist umgehend der Notdienst zu rufen.

Der Arzt wird bei vorhandenen starken Ängsten im Rahmen der Herzuntersuchungen auch sogenannte funktionelle Herzbeschwerden (Herzangstsyndrom) ausschließen. Hierbei handelt es sich um eine Angststörung mit den Symptomen einer Herzerkrankung (siehe Kapitel „Angststörungen“).


Atemwegserkrankungen

Atemnot gehört zu den häufigen Symptomen einer Panikattacke. Die Betroffenen atmen zu flach und hastig oder zu heftig ein und aus. Manche haben das Gefühl, die Kehle sei wie zugeschnürt. Die erschwerte Atmung verstärkt die Angstgefühle.

Umgekehrt löst Luftnot durch erkrankte Atemwege Beklemmung, Ängste, Schwindel und weitere Beschwerden aus. Davon abzugrenzen ist das Hyperventilationssyndrom (siehe unten). Häufig stellen sich Angstgefühle auch bei Hustenanfällen mit Atemnot bei einer chronischen Bronchitis oder einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ein.

Menschen, die beispielsweise an Asthma bronchiale leiden, erleben immer wieder Anfälle von Atemnot, bei denen vor allem das Ausatmen schwer fällt. Ursache ist eine plötzliche Verengung der Bronchien. Ein schwerer Asthmaanfall ist ein Notfall!

Hyperventilationssyndrom

Schwindel, Engegefühl in der Brust, Zittern, Kribbeln und Krämpfe in den Händen, kalte Schweißausbrüche verursacht auch das sogenannte Hyperventilationssyndrom. Hier können Ängste sowohl Auslöser wie Folge sein. Neben psychischen Ursachen wie Stress, Paniksituationen oder Depressionen kommen auch körperliche Störungen infrage. Dazu gehören unter anderem Lungenerkrankungen, Kalzium- und Magnesiummangel, Sauerstoffmangel in den Geweben, Gehirnverletzungen oder -entzündungen.

Symptome: Die Betroffenen, häufig jüngere Frauen unter 30 Jahren, atmen überschnell ein und aus (hyperventilieren). Dadurch geben sie vermehrt Kohlendioxid (CO2) mit der Atemluft nach außen ab. Die Folge dieses Entzugs ist ein kurzfristiges Kalziumungleichgewicht beziehungsweise ein Kalziummangel im Körper. Muskeln und Nerven sind dadurch übererregt, die Neigung zu Krämpfen ist erhöht. Weitere Symptome neben Schwindel, Brustenge, Zittern, kalten Händen und Füßen können auch außerhalb der akuten Hyperventilation Herzklopfen, Atembeschwerden, die sich in Hüsteln, Seufzen oder Atemnot äußern, sein. Dazu kommen erhöhte Nervosität, Schlafstörungen, Weinerlichkeit, Ängste, Depressivität.

Diagnose und Therapie: Der Arzt wird zunächst mögliche körperliche Ursachen ausschließen bzw. gegebenenfalls behandeln. Es ist ganz wesentlich, dass die Patienten die Zusammenhänge ihrer Beschwerden kennen. Atem- und Entspannungstherapien können hilfreich sein, ebenso psychotherapeutische Verfahren. Bei einem akuten Hyperventilationsanfall kann unmittelbar eine Papiertüte Hilfe bringen. Sie wird locker über Mund und Nase des Betroffenen gestülpt. Dadurch gelangt wieder CO2 zurück in den Körper und die Kalziumteilchen verteilen sich wieder richtig. Diese Maßnahme darf nicht angewendet werden, wenn ein Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie) vorliegt, etwa bei einer Höhenkrankheit. Wichtig ist auch, beruhigend auf die Betroffenen einzuwirken.


Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Ängste treten dann am ehesten im Zusammenhang mit typischen Beschwerden wie einer gesteigerter Nervosität und Herzklopfen auf.

Kennzeichnend gehen Ängste mit einer thyreotoxischen Krise einher. Es handelt sich dabei um eine besonders ernste, lebensbedrohliche, wenn auch seltenere Verlaufsform der Überfunktion, bei der es zu Vergiftungserscheinungen durch die übermäßige Freisetzung von Schilddrüsenhormonen kommt.

Symptome für eine thyreotoxische Krise: Starke Nervosität und Bewegungsunruhe, Zittern, Angstgefühle, Herzrhythmusstörungen mit schnellem Herzjagen und Herzstolpern, Fieber, Schweißausbrüche, Erbrechen, Durchfall, Flüssigkeitsverlust.


! Eine thyreotoxische Krise ist ein Notfall, der umgehend intensivmedizinisch behandelt werden muss.

Krisen und Schockzustände


Ängste können neben anderen vorherrschenden Symptomen auch bei weiteren Krisen und Schockreaktionen auftreten, etwa bei einer Höhenkrankheit mit akutem Sauerstoffmangel, bei heftigen Entgleisungen des Stoffwechsels wie einer Unterzuckerung bei Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 oder einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion, einem anaphylaktischen Schock.

Nerven- und Gehirnerkrankungen

Erkrankungen des Gehirns und des Zentralnervensystems können neben den für die jeweilige Störung kennzeichnenden Beschwerden auch Angstgefühle auslösen. Das trifft besonders für Erkrankungen zu, die mit Schmerz- oder Schwindelattacken einhergehen, wie die Migräne oder Störungen im Gleichgewichtssystem wie die Menière-Krankheit.

Aber auch Verletzungen mit Gehirnblutungen sowie Entzündungen und Abbauprozesse im Gehirn kommen infrage, etwa Demenzerkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit. Parkinson-Kranke leiden neben den typischen körperlichen Symptomen häufig auch unter Depressionen und Ängsten.

Alkoholkrankheit: Schon kleinere Mengen Alkohol wirken auf die Nervenzellen im Gehirn. Alkoholmissbrauch schädigt neben der Leber und anderen Organen so auch nachhaltig das Nervensystem. Der gestörte Gehirnstoffwechsel führt auf Dauer zu Gehirnschäden und psychischen Störungen. Wahnideen sowie Angstzustände können die Folge sein, ebenso wie epileptische Anfälle und Demenzen.

Nach Alkoholentzug geraten die Betroffenen nicht selten in ein Delirium tremens, in dem sie aufs Höchste erregt, ängstlich und orientierungslos sind. Sie zittern, schwitzen, haben Herzrhythmusstörungen und weitere Beschwerden.

Starke Entzugssymptome müssen meist in einer Klinik behandelt werden. Der Ausstieg aus der Alkoholsucht bedarf sehr häufig ärztlicher und psychotherapeutischer Unterstützung, zunächst in einer Klinik, später in Therapiegruppen.

Medikamente

Arzneimittel, die auf bestimmte Gehirnbereiche, auf die Psyche und Körperfunktionen wie Herz- und Atemtätigkeit, auf die Hormonproduktion oder den Stoffwechsel wirken, können zu vermehrter innerer Unruhe, Atemproblemen, Herzklopfen und Angstgefühlen führen. Dazu gehören unter anderem einige Medikamente gegen psychische Erkrankungen (Neuroleptika), gegen Depressionen (Antidepressiva), gegen bakterielle Infektionen (Antibiotika), gegen die Parkinson-Krankheit oder Hirnleistungsstörungen.

Allerdings reagiert jeder Betroffene unterschiedlich auf ein Medikament. Ob und welche Nebenwirkungen auftreten, hängt zudem von der Dauer der Einnahme und der Dosierung ab.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Angstgefühle neu mit der Einnahme eines Medikaments aufgetreten sind, dann wenden Sie sich in jedem Fall an Ihren Arzt. Gehen Sie mit ihm die Arzneimittel durch, die Sie ständig oder gelegentlich einnehmen. Setzen Sie kein Medikament, das der Arzt Ihnen verschrieben hat, ohne Rücksprache einfach ab. Es kann mitunter sinnvoll sein, dass der Arzt ein anderes, gleichwertiges Mittel verschreibt beziehungsweise die Dosierung anpasst.

Drogen

Harte Drogen wie Opiate, Ecstasy, Kokain, Amphetamine oder Halluzinogene wie LSD greifen massiv in den Gehirnstoffwechsel ein und verändern Wahrnehmung, Denken und Psyche. Euphorie und anfängliche Entspannung können in heftige Angstgefühle, Wahnideen oder tiefe Depression umschlagen. Vor allem bei längerem Drogengebrauch, hohen Dosen und Abhängigkeit stellen sich die negativen Auswirkungen oft immer hartnäckiger ein und verändern das Wesen der Süchtigen nachhaltig. Das gilt auch für Alkoholmissbrauch (siehe oben). Ängste gehören zu den kennzeichnenden Entzugserscheinungen bei Drogenmissbrauch.

Suchterkrankungen können meist nur in einer Spezialklinik erfolgreich behandelt werden. Je nachdem, wie ausgeprägt die Probleme sind, können auch gezielte ambulante psychotherapeutische Programme den Abhängigen helfen, endgültig aus der Suchtspirale auszusteigen.

Manche Menschen reagieren mit erhöhter innerer Unruhe und Angstgefühlen auf aufputschende Substanzen wie Nikotin oder Koffein, vor allem, wenn sie beides zusammen und in größerer Menge konsumieren. Dann auftretende Ängste sind Warnzeichen, unmittelbar zu reagieren, das Rauchen aufzugeben und den Konsum koffeinhaltiger Getränke einzustellen oder deutlich zu reduzieren.

 



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Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 07.07.2009, aktualisiert am 01.02.2012
Bildnachweis: BrandXPictures/ RYF

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