"Die hat Glück, wenn sie jemals so alt wird, wie sie heute bereits aussieht!" Viel uncharmanter geht es wohl nicht mehr. Trotzdem birgt diese Unflätigkeit einen wahren Kern. "Das optischen Erscheinungsbild entspricht nicht immer dem tatsächlichen Alter", so Professor Christoph Englert, Molekulargenetiker und Altersforscher am Leibniz Institut für Altersforschung in Jena.
Aber wovon hängt es im Einzelfall ab, wie wir uns fühlen und wie alt wir aussehen? Was hat es mit dem Begriff "biologisches Alter" eigentlich auf sich? Unser zweiter Fachmann, der Internist und Hormonexperte Professor Christoph Bamberger aus Hamburg beantwortet unsere Fragen.
Was genau bezeichnet das sogenannte "Biologische Alter"?
Im Verhältnis zu unserem chronologischen, also kalendarischen Alter können Körper und Geist in einem gewissen Ausmaß jünger oder älter sein. Gesundheitsbewusstes Verhalten macht den Körper jünger, Raubbau am Körper dagegen älter. So kann beispielsweise eine kalendarisch 50 Jahre alte Frau biologisch 45 oder 55 Jahre alt sein.
An welchen Parametern wird es gemessen?
Um das biologische Alter ganz genau bestimmen zu können, müssten hunderte von Parametern (Blutwerte, Messungen aller Körperfunktionen) herangezogen werden. Da das meist nicht möglich ist, nimmt man die wichtigsten, einfach zu erfragenden oder zu messenden Werte, vor allem im Bereich Lebensstil. Dazu gehören natürlich die üblichen Verdächtigen wie Rauchen, Bewegung und Ernährung. Aber auch Faktoren wie die allgemeine Zufriedenheit, Stress-Balance und soziale Einbindung spielen eine große Rolle. Wichtig ist natürlich auch das Wahrnehmen regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen.
Wie groß ist die Rolle der Gene, wie groß die der äußeren Einflüsse auf den Alterungsprozess?
Die Rolle der Gene im Alterungsprozess wird heute differenzierter eingeschätzt als noch vor zehn Jahren. Je älter wir werden, desto wichtiger werden die Gene. 100 kann man ohne gute Gene kaum werden. Die gute Nachricht ist jedoch: Bis 80 spielen die Gene nicht die entscheidende Rolle, ihr Anteil liegt bei circa 30 Prozent. Man kann also sagen: 80 werden kann mit dem richtigen Lebensstil fast jeder, wer älter werden will, braucht auch noch gute Gene.
Wie alt kann ein Mensch heutzutage theoretisch überhaupt werden?
Die maximale Lebensspanne für die Spezies „Homo sapiens“ liegt bei etwa 120 Jahren. Erreicht wurde sie bisher nur von Jeanne Louise Calment, einer Französin, die 122 Jahre alt wurde. Unsere Zellen haben eine Art innere Uhr, die Telomere. So nennt man die Kappen auf unseren Chromosomen. Bei jeder Zellteilung verkürzen sie sich, doch irgendwann sind sie aufgebraucht wie der Sand in einer Sanduhr, und die Uhr ist abgelaufen. Die meisten Menschen sterben jedoch vorher an altersassoziierten Krankheiten.
Wie zuverlässig sind die Tests des biologischen Alters?
Je mehr Parameter erfasst werden, desto genauer. Bei den üblichen Tests bleibt natürlich ein gewisser Spielraum, zu sehr sollte man sich dadurch also nicht beruhigen oder beunruhigen lassen. Im Schnitt liegt die diagnostische Sicherheit solcher Tests bei rund 85 Prozent.
Zuletzt haben wir noch eine Frage an unseren Altersforscher aus Jena:
Professor Englert, ist es wohl möglich, die Zeit zurückzudrehen? Wenigstens biologisch?
Das ist leider unrealistisch. Das Altern ist ein irreversibler Vorgang, auch im biologischen Sinne. Aber verlangsamen können wir den Vorgang durch die genannten Parameter natürlich schon. Und wer zusätzlich noch auf riskante Hobbys wie beispielsweise Motorradfahren verzichtet, der vergrößert auch so seine Chancen auf ein langes Leben.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
17.08.2010
Bildnachweis: Fotolia/Udo Kroener/2010
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