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Warum ein Kater im Alter immer schlimmer wird

Mit den Jahren vertragen wir den Alkohol oft immer schlechter. Aber warum? Alkoholforscher Professor Helmut Seitz antwortet


Alter schützt vor Kater nicht

An der Güte der konsumierten Alkoholika kann es eigentlich nicht liegen, dass uns der ethanolische Genuss mit jedem Jahr schlechter bekommt. Oder haben Sie sich mit 18 Jahren regelmäßig Qualitätswein aus dem Barriquefass bestellt? Und planen im Rentenalter mit einem schönen Glas Feigenschnaps von der Tankstelle den Sonnenuntergang zu genießen? Fakt ist aber, dass jüngere Menschen nach zu viel Wein und Bier in der Regel unter weniger intensiven Katern leiden als die älteren Semester.

Alkohol wird in der Leber erst zu Acetaldehyd und dann zu Essigsäure abgebaut. Daraus entstehen im letzten Schritt Wasser und Kohlendioxid. Für den ersten Schritt brauchen wir das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH), für den zweiten die Aldehyddehydrogenase (ALDH). Ein englischer Leberspezialist behauptete unlängst, anhand der Enzyme die zunehmende Alkohol-Empfindlichkeit erklären zu können. Er war sich sicher, dass die im Alter nachlassende Konzentration der ADH Schuld wäre.


Alkoholforscher Professor Helmut Seitz von der Universität Heidelberg meint dazu: "Alle Enzyme werden mit den Jahren weniger. Soweit hat der Mann vollkommen recht." Aber im Detail widerspricht Seitz der Theorie. "Gerade der Acetaldehyd verursacht Kopfschmerzen. Wenn wir nun weniger ADH haben, dann würde der Aldehyd doch langsamer entstehen." Also eher weniger Kopfschmerzen. Das ist also unlogisch.

Bekannt ist, dass bei vielen Asiaten das zweite Enzym, die ALDH, weniger stark ausgeprägt ist. "Daher haben die Betroffenen nach dem Genuss alkoholischer Getränke besonders viel Acetaldehyd im Körper und leiden somit oft stärker", so Seitz. Also wäre eine verminderte Produktion dieses Enzyms noch eine bessere Erklärung. Aber auch das will Alkoholexperte Seitz nicht als Erklärung gelten lassen.

Den einzigen Grund, den er eventuell akzeptiert, ist die Abnahme des Körperwassers. "Mit 30 Jahren führt die gleiche Menge Alkohol zu einer niedrigeren Blut-Alkohol-Konzentration als mit 60 Jahren." Aber dürfen wir diesem Umstand wirklich die ganze Schuld in die Schuhe schieben? Ganz geklärt ist das Phänomen des schlimmer werdenden Katers nicht. Das bestätigt auch Seitz. Fakt ist allerdings: Ethanol ist ein Nervengift. Es ist in jeder Konzentration schädlich für den Körper. Also schützen wir uns vor dem bösen Katzenjammer, indem wir mit Apfelschorle anstoßen und nicht mit Apfelschnaps. Brause statt Bier, Wasser statt Wein. Helau! Alaaf! So bringt dann auch der 12. November noch Spaß.



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 11.11.2009, aktualisiert am 19.01.2011
Bildnachweis: Images Source/RYF

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