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Akne, ein öffentliches Leiden

Die unschönen Pusteln sind kaum zu verbergen. Das belastet Betroffene – auch weil die Therapie langwierig ist

Dass man mit dem Thema Akne sensibel und behutsam umgehen muss, weiß der Viersener Apotheker Dr. Joachim Kresken aus langjähriger Erfahrung. „Vor allem bei Jugendlichen ist die Lebensqualität stark beeinträchtigt“, sagt der Vorsitzende der Gesellschaft für Dermopharmazie. Eine aktuelle Studie zur Versorgung von Aknepatienten in Deutschland bestätigt seine Aussage. „Für 51 Prozent der Betroffenen ist ihre Akne ein großes Problem“, berichtet Studienleiterin Dr. Nadine Franzke von der Universitätshautklinik Hamburg-Eppendorf. „Der Leidensdruck ist ähnlich hoch wie bei Asthma oder Arthritis.“

 

Als besonders belastend empfinden Aknepatienten, dass ihre Krankheit für jeden sichtbar ist. „Die entzündeten Papeln, Pusteln und Knötchen treten meist an der Stirn, im Nasen- und Kinnbereich sowie an Brust und Rücken auf“, weiß Hautärztin Franzke. Die Ursache ist eine hormonell bedingte vermehrte Talgproduktion der Haut mit einer gleichzeitigen Verhornungsstörung. „Bei Besiedlung mit Propioni-Bakterien entzünden sich die Talgdrüsen, und es kommt zu einer Immunreaktion der Haut“, erklärt die Dermatologin.


Die Grenzen zwischen unreiner Haut und Akne sind fließend. „Wir sprechen deshalb lieber von zu Akne neigender Haut“, sagt Kresken. „Sobald sich offene oder geschlossene Mitesser entzünden, sollte eine Behandlung mit Aknemitteln beginnen.“ Bei den ersten Anzeichen einer Entzündung schickt der Apotheker den Kunden deshalb in der Regel zum Hautarzt. „Je früher eine gezielte Behandlung beginnt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Akne narbenfrei abheilt.“

 

Begrenzte Selbstmedikation

 

Bei leichten Formen können Apotheker einen Selbstbehandlungsversuch mit benzoylperoxidhaltigen Arzneimitteln empfehlen. „Insbesondere zu Beginn der Behandlung kann eine Hautreizung auftreten. Deshalb sollten solche Mittel zunächst nur abends angewandt werden“, rät Joachim Kresken. Und: „Wegen der Bleichwirkung sollten die Cremes nicht mit gefärbten Textilien in Kontakt kommen.“ Außerdem plädiert er dafür, rezeptfreie Arzneimittel bei Akne zurückhaltend und nur bei leichten entzündlichen Formen anzuwenden. „Sonst wird eine effektivere Behandlung mit Antibiotika und schälenden Retinoiden eventuell zu lange hinausgezögert.“

 

„Antibiotika können beim Vollbild der entzündlichen Akne angebracht sein“, sagt Kresken. Die lokal am häufigsten eingesetzten Antibiotika sind Erythromycin und Clindamycin, wobei gegen Erythromycin inzwischen viele Bakterien resistent sind. „Oft kombinieren Hautärzte lokale oder systemische Antibiotika auch mit Benzoylperoxid oder primär schälenden Wirkstoffen wie Tretinoin und Adapalen“, sagt der Apotheker.

 

Kosmetika zur Unterstützung

 

Zur Unterstützung der ärztlichen Behandlung eignen sich sogenannte Dermokosmetika aus der Apotheke. „Damit lassen sich zudem erste Anzeichen einer Akne zurückdrängen“, erklärt Kresken.

 

Die richtige Pflege besteht aus drei Schritten: „Die seifenfreie Reinigung mit schwach sauren Waschgelen verringert die Zahl der akneauslösenden Propioni-Bakterien“, erläutert Kresken. „Gesichtswässer mit leicht antiseptisch oder keratolytisch wirkenden Stoffen lösen Schüppchen ab, glätten die Hautoberfläche und sorgen dafür, dass die Haut die anschließend aufzutragenden Pflegeprodukte besser aufnehmen kann.“ Bei diesen handelt es sich meistens um leichte Öl-in-Wasser-Emulsionen mit einem geringen Fettanteil oder um fettfreie Gele. Produkte mit einer mattierenden Wirkung enthalten Substanzen, die den Talg überschuss auf der Haut binden.

 

Therapie erfordert Geduld

 

„Wichtig ist, dass die Patienten die Therapie lange genug durchhalten“, betont Kresken, „unter Umständen sogar über Jahre.“

 

Um Informationen zur Versorgung von Aknepatienten in Deutschland zu erhalten, wurden im Auftrag der Gesellschaft für Dermopharmazie und des Competenzzentrums für Versorgungsforschung in der Dermatologie 504 Kunden von 48 Apotheken befragt. „Die meisten Patienten halten sich an die verordnete Therapie“, berichtet Studienleiterin Nadine Franzke und fügt hinzu: „Etwa die Hälfte der Befragten war mit den begonnenen Maßnahmen zufrieden.“ Die Therapien entsprechen den aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften. „Insgesamt werden Aknepatienten also recht gut versorgt“, fasst Franzke zusammen.

 

Die wichtigsten Ansprechpartner sind Apotheker und Hautärzte. „Deshalb sollten die beiden Berufsgruppen gut zusammenarbeiten“, betont Kresken. „Der Apotheker ist meist die erste Anlaufstelle, schickt den Betroffenen nach einer Blickdiagnose gegebenenfalls zum Hautarzt und verfolgt im weiteren Verlauf, wie die Therapie anschlägt.“



Barbara Kandler-Schmitt / Apotheken Umschau; 13.01.2010, aktualisiert am 12.01.2012

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