Viele Haushalte verfügen heute bereits über eine Badezimmerwaage mit eingebautem Körperfettsensor. Das Prinzip – die Bioimpedanz-Messung – ist einfach: Ein schwacher, nicht spürbarer Batteriestrom fließt durch den Körper. Weil Fett schlechter leitet als Wasser, können die Sensoren der Waage anhand des ermittelten Widerstands das prozentuale Verhältnis von Fett- und Wasseranteil in der Körpermasse errechnen.
Das Problem: Der schwache Strom nimmt den kürzesten Weg über die Leistenregion und durchfließt deshalb nur die unteren Bereiche des Körpers. Zudem werden die Messergebnisse durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. „Je nach Tageszeit oder Flüssigkeitshaushalt können so teilweise Messungenauigkeiten von bis zu 30 Prozent auftreten“, meint Professor Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Moderne Waagen besitzen inzwischen zusätzliche Sensoren in Form von Handgriffen. „Zwar wird hier der Körper insgesamt besser erfasst“, erläutert der Sportwissenschaftler, aber bei Untersuchungen habe man auch mit diesen Geräten große Messunterschiede ermittelt. Sportmedizinische Zentren nutzen daher verfeinerte Bioimpedanz-Verfahren, die den Körper genauer erfassen und streng standardisierte Vorgaben einhalten. „Wichtig sind Verlaufsmessungen im Abstand mehrerer Wochen, die immer unter gleichen Voraussetzungen stattfinden, also beispielsweise morgens, nüchtern und nach Blasenentleerung“, erklärt Professor Aloys Berg, Adipositas-Experte an der Uniklinik Freiburg. Wer zu Hause ähnliche Messstandards einhält und sich im Klaren darüber ist, dass die Werte nicht allzu genau sind, könne aber auch von einer Körperfettwaage profitieren, meint Experte Froböse: „Sie kann manchen Menschen dabei helfen, sich für eine gesündere Lebensweise zu motivieren.“
Alternativ arbeiten Mediziner mit weiteren Messverfahren wie der Calipometrie. Dabei wird mit einer Zange (Caliper) die Dicke der Hautfalten an verschiedenen Körperstellen wie Bauch, Oberarm und Schulterblatt gemessen. Ist die Summe der ermittelten Werte berechnet, lässt sich der Körperfettgehalt in einer Tabelle ablesen.
Noch exaktere Ergebnisse liefern Methoden, die den Körperfettanteil anhand der Körperdichte – unter Wasser oder in einer Luftdruckkammer – ermitteln. Sie seien aber sehr aufwendig und kostspielig, sagt Aloys Berg. Alle haben einen Nachteil: Sie erfassen das gefährliche Bauchfett nur unzureichend. „Heute wissen wir, dass nicht das gesamte Körperfett für das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich ist, sondern nur das Fett, das sich um die Organe herum befindet“, erklärt Berg. Das Bauchfett spiegele dieses „viszerale“ Fett sehr gut wider. Für eine einfache Risikoabschätzung empfiehlt sich, mit einem Maßband den Bauchumfang festzustellen. Bei Männern sollte er nicht mehr als 94 Zentimeter, bei Frauen höchstens 80 Zentimeter betragen.
Christian Krumm / Apotheken Umschau;
16.11.2010
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, Thinkstock/Ablestock
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