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Metabolic Balance: Hilft es wirklich beim Abnehmen?

Eine kritische Analyse des Diät-Programms, das viele Anhänger findet – doch kein wissenschaftlich belegtes Konzept enthält


Ob der Apfel wohl in den speziellen Metabolic Balance Lebensmittelplan passt?

Metabolic Balance! Zugegeben, der Name klingt interessanter als "Friss die Hälfte" oder "Trennkost". Aber was kann diese neue Diät wirklich? Dr. Martin Hofmeister, Ernährungswissenschaftler von der Verbraucherzentrale Bayern, hat das Programm unter die Lupe genommen. "Mit einem an den Stoffwechsel angepassten Ernährungsplan sollen nach Angaben der Urheber sowohl Fettpolster verschwinden, als auch Vitalität und Gesundheit bis ins hohe Alter erhalten bleiben", so Hofmeister. Aber der Ernährungs-Experte steht der Idee sehr kritisch gegenüber.

So funktioniert Metabolic Balance

Bevor das Programm wirklich startet, muss einiges bereits im Vorfeld organisiert werden. Jeder Teilnehmer braucht einen persönlichen Betreuer – entweder online oder vor Ort. Dieser schickt den Abnehmwilligen für eine Blutabnahme zum Arzt. Die Probe wird in einem zentralen Metabolic Balance-Labor untersucht. Dabei bewerten die Mediziner 36 Standardparameter, darunter Blutfettwerte, Kalzium und Leberenzyme.


Zusätzlich füllt der Teilnehmer einen kurzen Fragebogen aus. Anhand dieser Angaben bekommt jeder eine Liste spezieller "erlaubter" Lebensmittel. Die zu beantwortenden Fragenbögen sind sehr knapp und kurz, eine Arzt-Patienten-Beziehung ist also kaum möglich. Dabei wäre es sicherlich wichtig, spezielle Wünsche oder mögliche Nasch-Rückfälle einzukalkulieren. Das noch größere Problem: Die Verantwortlichen geben nicht preis, nach welchen Kriterien die Auswahl der Nahrungsmittel erfolgt.

"Es gibt zur Zeit weder eine wissenschaftliche Erklärung, wie der Computer die Ernährungspläne ausarbeitet, noch einen wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen den ermittelten Blutwerten und einer Gewichtsreduktion", so Hofmeister. Gewisse Nahrungsmittel können zwar den Stoffwechsel ankurbeln, nur hat das nichts mit den erhobenen Blutwerten zu tun.

Es ist übrigens sehr leicht, Metabolic Balance-Betreuer zu werden. "Die wenigsten Coaches sind Ärzte oder Ökotrophologen. Viele sind einfach Ernährungsberater – und so darf sich jeder nennen. Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt!", weiß Hofmeister. Es genügt eine 17-tägige Schulung zum "Metabolic Balance Coach".

Die Vorbereitungsphase

Sie dauert zwei Tage. Der Teilnehmer muss mit Glaubersalz oder anderen Präparaten abführen. "Dabei gehen natürlich fast alle Darmbakterien verloren. Das kann bei Abnehmwünschen gefährlich und kontraproduktiv sein", warnt Hofmeister.

Der Metabolic Balance-Teilnehmer darf in dieser Zeit entweder 200 Gramm Vollkornreis, 1,5 Kilogramm Kartoffeln, ein Kilogramm Obst oder 1,5 Kilogramm Gemüse verzehren. Alternativ frühstückt man die halbe Portion des Üblichen, isst mittags eine frisch gekochte Gemüsesuppe mit einem Apfel und abends Gemüse oder Salat.

Die strenge Phase

Diese dauert ungefähr zwei bis vier Wochen. Die tägliche Energiezufuhr beträgt in diesem Abschnitt zirka 1000 Kilokalorien. Ernährt wird sich ausschließlich mit den ausgewählten Lebensmitteln. So darf die eine Person unter anderem Aprikosen und Schafs-Fetakäse essen, wo hingegen einer anderen Kiwis und Limburger-Käse empfohlen werden. Warum nun genau diese Lebensmittel, das ist ein Betriebsgeheimnis. Außerdem sind neun zum Teil sehr fragwürdige Regeln zu beachten – unter anderem das Verbot, Gerichte mit Öl zuzubereiten.

"Bei einer so reduzierten Kalorienzufuhr ist es eigentlich selbstverständlich, dass die Programmteilnehmer abnehmen. Aber die Auswahl der Lebensmittel bleibt unklar", erklärt Hofmeister. Eine Gefahr sieht der Ernährungsfachmann im Verzicht auf Öl. Das kann in den ersten Wochen zu Vitamin-E-Mangel führen. Außerdem verträgt nicht jeder Mensch eine so drastische Kalorienreduktion. "Sie riskieren eine suboptimale Versorgung mit Mikronährstoffen. Zum Beispiel kann es zu einem Mangel an B-Vitaminen oder auch Kalzium kommen."

Die gelockerte Phase

Sie dauert mehrere Wochen an. Die Lebensmittelauswahl wird erweitert. Einmal pro Woche ist ein "Schummelgericht" erlaubt. Ab nun empfehlen die Betreiber des Metabolic Balance-Programms auch Bewegung. "Der späte Zeitpunkt wundert mich. Körperliche Ertüchtigung zählt in allen anderen mir bekannten Varianten des gesunden Gewichtsmanagements unbedingt dazu", so Hofmeister.

Die Erhaltungsphase

Diese Phase soll im Idealfall für immer andauern. Unter dem Strich ist das eine Ernährungsumstellung unter Berücksichtigung der neun Regeln. Dazu gehört auch genügend Bewegung.

Die Teilnahme an Metabolic Balance ist kostenpflichtig und wird zuweilen als teuer eingeschätzt. Eine Garantie für eine dauerhafte Gewichtsreduzierung gibt es dafür nicht. "Ein Jojoeffekt ist bei diesem Programm quasi vorprogrammiert, verursacht durch die extrem reduzierte Kalorienzufuhr in der strengen Phase", meint Hofmeister.

Außerdem dürfen die speziellen und wenig abwechslungsreichen Ernährungspläne nicht weitergegeben werden. Jeder bekommt eine eigene Liste mit strikten und mengenmäßig sehr detaillierten Lebensmittelzuweisungen. Das bedeutet auch, dass sich jedes Familienmitglied unter Umständen ein eigenes Gericht kochen muss. Damit ist Metabolic Balance ist eher partnerschafts- und familienuntauglich. Desweiteren lassen sich die strikten Regeln beinahe unmöglich dauerhaft in den Alltag integrieren, zumal ein Gramm-genaues Einhalten der Mengen gefordert wird.

Metabolic Balance ist im Prinzip eine "Low-Carb-Diät", also eine kohlenhydratarme Ernährung. Die Eiweißaufnahme liegt deutlich oberhalb der Empfehlungen, während die Zufuhr an Energie, Fett und Kohlenhydraten sehr niedrig ist. Der erhöhte Eiweißkonsum kann zu Nierenschäden führen. Menschen mit erhöhten Harnsäure-Konzentrationen im Blut riskieren Gichtanfälle. Fraglich ist auch, ob ausreichend Ballaststoffe zugeführt werden.

Zusammenfassend warnt Hofmeister: "Metabolic Balance enthält bis dato kein wissenschaftlich abgesichertes Konzept. Außerdem baut das Programm auf Grundlagen auf, die ernährungsmedizinischen Grundlagen weitgehend widersprechen!"

Wer dauerhaft und gesund abspecken will, ist mit dem klassischen Pfad der gesunden Ernährung und ausreichenden Bewegung möglicherweise besser beraten. Offiziell kann man dem Ganzen dann ja auch gerne einen eigenen Namen geben. Wir wäre es mit "let´s do Healthy living"!



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 01.02.2010, aktualisiert am 12.01.2012
Bildnachweis: Fotolia/vgStudio/2010

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