Was haben Schnitzel mit Pommes, Spaghetti Bolognese und das gute alte Schinkenbrot gemeinsam? All diese Gerichte stehen auf der roten Liste, wenn man sich strikt nach dem Prinzip "Trennkost" ernährt. Und wieso? Weil die Speisen kohlenhydrat- und eiweißhaltige Lebensmittel auf einem Teller vereinen. Und genau das ist bei der Trennkost verboten.
Ausgedacht hat sich diese Ernährungsweise der amerikanische Arzt Howard Hay. Er litt unter einem Nierenleiden, welches zu seiner Zeit als unheilbar galt. Hay stellte daraufhin seine Ernährung auf Trennkost um und genas nach eigenen Angaben innerhalb von drei Monaten.
Hays erste Essens-Richtlinie lautet: Kohlenhydrate und Eiweiße immer getrennt verspeisen.
Der Arzt war sich sicher: Der menschliche Organismus ist nicht in der Lage, kohlenhydrathaltige und eiweißreiche Lebensmittel gleichzeitig zu verdauen. Die Folge wäre seiner Meinung nach eine gefährliche Übersäuerung des Körpers. Doch Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder aus Hünstetten gibt Entwarnung: "Der Körper ist sehr wohl in der Lage, die beiden Nahrungsbestandteile nebeneinander zu verwerten". Das können sogar schon Säuglinge, denn die Muttermilch enthält beides.
Ob es langfristig zu einem Säureüberschuss kommt, hängt zudem vom Konsum basenbildender Lebensmittel wie Gemüse, Kartoffeln und Obst ab – völlig unabhängig davon, ob dies im Rahmen einer Trenn- oder Mischkost geschieht.
Um die Lebensmitteltrennung zu erleichtern hat Hay drei Gruppen gebildet. Erstens die kohlenhydratreichen Nahrungsmittel wie Brot, Reis, Nudeln oder Kartoffeln. Zweitens die eiweißreichen wie Fisch, Fleisch, Eier und Käse. Drittens die neutralen Lebensmittel, die man mit den beiden ersten Gruppen kombinieren darf. Als neutral bezeichnet Hay zum Beispiel Gemüse, Nüsse und Fett. Allerdings auch Joghurt und Quark, Produkte, die sehr eiweißlastig sind. Im Gegenzug dafür hat der Arzt Obst in der Eiweißgruppe eingeordnet. Die Kartoffeln aus der Kohlenhydratgruppe enthalten auch viel Eiweiß. Ganz logisch ist die Haysche Einteilung also nicht.
Hays zweite Devise lautete: Die täglichen Mahlzeiten sollen zu 80 Prozent aus basenbildenden Lebensmitteln bestehen.
Diese Richtlinie ist sehr gesund. Denn basenbildend sind zum Beispiel Obst, Salat und Gemüse. Über diese Lebensmittel freuen sich Herz und Gefäße. Möglichst viele Produkte sollen nach der Hayschen Trennkost zusätzlich noch in ihrer ursprünglichen Form verzehrt werden. Also roh, nicht gekocht, gebraten oder frittiert. Dadurch spart man viel Fett. Und auch das wirkt sich natürlich positiv auf die Figur aus.
Ob man durch Trennkost also abnimmt, hängt davon ab, wie man vorher gelebt hat. "Wer sich sowieso schon gesund ernährt hat, wird keinen Unterschied bemerken. Bei wem Currywurst und Pommes oft auf dem Speiseplan standen, aber schon", so Gonder.
Positiv bewertet unsere Ernährungswissenschaftlerin, dass das Trennkostprinzip keine Lebensmittel komplett verbietet. Nur eben in bestimmten Kombinationen. "Bei einem Süßigkeitenverbot drehen sich die Gedanken irgendwann nur noch genau um das Thema. Früher oder später wird jeder schwach", erklärt Gonder. Dieses Problem entfällt bei der Trennkost.
Insgesamt entspricht die Trennkost also einer ausgewogenen, gesunden Ernährung mit wenig Fleisch und viel Gemüse. Das ist gut. In welcher Kombination man die Nahrungsmittel verspeist ist laut Ulrike Gonder allerdings egal. Manchen Menschen fällt es aber leichter nach der Trennkost zu leben, als einfach nur gesund, da es klare Regeln gibt. Nur zu streng darf man die Vorschriften auch nicht nehmen, sonst stellt diese Ernährungsweise eine starke Einschränkung des alltäglichen Lebens dar. Sie macht dann beispielsweise jeden Restaurantbesuch oder eine Essenseinladung bei Freunden zu einer komplizierten Angelegenheit.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
31.10.2011
Bildnachweis: Shotshop/Kirill Smirnov
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