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Diäten im Vergleich: Was taugen sie wirklich?

Atkins, GLYX, Trennkost? Welches Prinzip hinter den verschiedenen Diät-Typen steckt und mit welcher Methode man sein Gewicht am besten dauerhaft reduzieren kann


Obst und Gemüse lassen Kilos schwinden

Wer abnehmen will, hat die Qual der Wahl: Unzählige Diäten versprechen den schnellen Erfolg und eine dauerhaft schlanke Linie. Doch welche Diät lässt die Pfunde purzeln und versorgt den Körper dennoch mit allen wichtigen Nährstoffen? Welche ist auch wirklich alltagstauglich? Die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) hat für uns verschiedene Diäten unter die Lupe genommen.



Fleisch, Wurst und Fisch satt bei der Atkins-Diät

Die Atkins-Diät


Die Atkins-Diät ist eine Diät nach dem Prinzip "viel Eiweiß macht schlank": "Bei dieser Diät sind Eiweiß und Fett fast uneingeschränkt erlaubt, Kohlenhydrate jedoch nur in sehr geringer Menge. Die Diät ist also eher etwas für Fleischliebhaber", erklärt Antje Gahl. Die Ernährung besteht zu 20-35 Prozent aus Eiweiß, bis zu 50 Prozent aus Fett – also aus Fleisch, Wurst und Fisch. Der Mangel an Vitaminen und Mineralsstoffen wird durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen.

Zwar verliert man durch diese Ernährungsform tatsächlich an Gewicht, doch rät die Expertin dennoch von der Atkins-Diät ab: "Durch den hohen Eier- und Fleischverzehr kommt es zu erhöhtem Cholesterin und erhöhten Purinen. Dies kann zu einem gestörtem Fettstoffwechsel führen oder Gicht verursachen." Außerdem sei die Atkins-Diät auf Dauer schwer durchzuhalten und eine langfristige Gewichtsabnahme damit fraglich. "Durch die einseitige Lebensmittelauswahl lernen die Betroffenen nicht, wie eine ausgewogene Ernährung funktioniert", sagt Gahl. Doch die ist nun einmal die Voraussetzung dafür, dass die geschmolzenen Pfunde nicht rasch wieder auf den Hüften sitzen.

Die GLYX-Diät


Die Abkürzung Glyx steht für den Glykämischen Index (GI). Abnehmen mit dem GI funktioniert, indem man reichlich Lebensmittel mit einem niedrigen GI verzehrt und solche mit hohem GI meidet. "Die Idee ist, dass ein hoher Insulinspiegel – ausgeölst durch die Aufnahme von schlechten Kohlenhydraten – den Fettabbau erschwert", erklärt Gahl. Durch die Aufnahme von Kohlenhydraten beziehungsweise den GI wird eine Insulinreaktion ausgelöst. Steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit an, wird in der Bauchspeicheldrüse Insulin produziert, um den Blutzuckerspiegel wieder auf den Ausgangswert zu senken. Insulin wirkt aber gleichzeitig auch als Hormon, welches die Fettzellen auf Energiespeicherung einstellt, sozusagen die Fettsynthese fördert. Ein Lebensmittel mit hohem GI würde also die Insulinausschüttung fördern und damit den Fettaufbau. Die lästigen Kilos sollen schwinden, indem vorwiegend Lebensmittel mit einem niedrigen Glyx-Index auf dem Speiseplan stehen.

Doch die Ernährungswissenschaftlerin sieht diese Diät-Form kritisch: "Das Glyx-Diät-Prinzip ist im Alltag für einen Laien wenig praktikabel". Die Tabellen für den GI beziehen sich nur auf das Lebensmittel in seiner puren Form. Die Blutzuckerwirksamkeit wird aber von weiteren Faktoren wie dem Fett- und Ballaststoffgehalt sowie der Zubereitungsart einer Mahlzeit mitbestimmt. Sobald die Kartoffeln mit Soße oder Gemüse verzehrt, ergibt sich ein anderer GI. Teilweise sei die empfohlene Kost unausgewogen und sehr eiweiß- und fettreich. "Bei der Diät kommen oft Fleisch, Wurst und Fisch auf den Teller, aber nur wenig Getrreideprodukte oder Teigwaren", wendet Gahl ein. Positiv findet die Ernährungsexpertin jedoch den empfohlenen hohen Verzehr von Obst und Gemüse.



Trennkostprinzip: Kohlenhydrate und Eiweiß nicht kombinieren

Trennkost

Hier werden eiweißhaltige und kohlenhydratreiche Lebensmittel getrennt voneinander zu sich genommen, da der Körper sie angeblich nicht gleichzeitig verdauen kann. "Die Ernährung bei Trennkost besteht zu 80 Prozent aus basischen Lebensmitteln, also Obst, Gemüse und Salat, und zu 20 Prozent aus sauren. Das sind beispielsweise Fleisch, Fisch, Käse, Fette, unraffinierte Speiseöle und Getreideprodukte", sagt Gahl. Neben sauren und basischen Lebensmitteln gibt es noch neutrale, etwa Quark, Joghurt oder Butter. Sie dürfen sowohl mit basischen, als auch mit sauren Lebensmitteln kombiniert werden.

"Wissenschaftlich entbehrt die getrennte Aufnahme von Kohlenhydraten und Eiweiß jedoch jeglicher Grundlage", stellt die Expertin klar. Zudem sei die Trennkost schwer durchführbar, da viele Lebensmittel sowohl Eiweiß als auch Kohlenhydrate enthielten. Durch diese Schwierigkeit kommt es manchmal zu einer unausgewogenen Lebensmittelauswahl.

Trotzdem verlieren Abnehmwillige mit der Trennkost an Gewicht. "Das liegt aber allein daran, dass die Menschen durch den hohen Verzehr kalorienarmer Lebensmittel wie Obst und Gemüse ihre Energieaufnahme reduzieren", erklärt Gahl. Und eine negative Energiebilanz lässt die Pfunde schmelzen. "Positiv an der Trennkost ist, dass man sich daran gewöhnt, viel Obst und Gemüse zu essen."

Dinner Cancelling

Dinner Cancelling bedeutet, beispielsweise nach 18 Uhr nichts mehr zu essen. Erlaubt sind lediglich ungezuckerte Getränke wie Wasser oder Tee. Die Idee: Durch eine leichte Unterzuckerung in der Nacht sollen bestimmte Hormone freigesetzt werden, die den Fettabbau begünstigen.

"Viele Menschen essen tagsüber sehr wenig und haben abends dann natürlich großen Hunger. Folglich greifen sie zum Abendessen dann auch richtig zu", sagt Gahl. Auch beim Fernsehen und gemütlichen Zusammensitzen würden unbewusst viele Kalorien aufgenommen. "Positiv beim Dinner Cancelling ist daher, dass man genau darauf achtet, was man abends isst."

Die Expertin bemängelt jedoch, dass es durch die abendliche Nulldiät zu Heißhungerattacken kommen kann. "Außerdem macht das Ganze nur Sinn, wenn man tagsüber ganz normal isst," ergänzt Gahl. Denn wer tagsüber mehr als üblich vertilgt, weil er abends nichts mehr essen darf, wird auf der Waage keine Erfolge sehen. "Beim Abnehmen ist die negative Energiebilanz am Ende des Tages entscheidend und nicht, wann man isst."



Bei Formula-Diäten werden einzelnen Mahlzeiten durch spezielle Diät-Drinks ersetzt

Formula-Diäten

Unter Formula-Diäten versteht man industriell hergestellte Produkte, beispielsweise in Form von Shakes oder Suppen, die nach einer bestimmten Formel mit konstantem Energie- und Nährstoffgehalt hergestellt sind. Sie unterliegen den Anforderungen der Diätverordnung. "Für Menschen mit leichtem Übergewicht sind diese Diäten nicht zu empfehlen", sagt Ernährungswissenschaftlerin Gahl. Denn die Ursache des Übergewichts – eine unausgewogene, zu fett- und kalorienreiche Ernährung – würde so nicht behoben werden: "Die Leute lernen nicht, was sie falsch machen und wie man sich gesund ernährt", erklärt Gahl.

Bei Menschen mit extremem Übergewicht – einem Body Mass Index (BMI) ab 30 – können Formula-Diäten allerdings durchaus hilfreich sein. "Vor allem in der Startphase eines langfristigen Abnehmprogramms unter ärztlicher Aufsicht machen spezielle Diät-Drinks durchaus Sinn", sagt Gahl. Denn die durch die Formula-Produkte schwindenden Pfunde motivieren zum Durchhalten.

Dennoch ist bei Formula-Diäten Vorsicht geboten: "Zwar sind in den Produkten alle wichtigen Nährstoffe enthalten, doch reduziert man die vorgegebene Portionsgröße oder nimmt man zu wenig Flüssigkeit zu sich, kann es zu Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit, Herzrythmusstörungen oder Haarausfall kommen", warnt Gahl. Deshalb sollten Formula-Diäten nur nach einer Voruntersuchung und unter ärztlicher Aufsicht gemacht werden – vor allem bei geringem Übergewicht. Und unbedingt genug trinken! Am besten Wasser.

Weight Watchers

Beim Weight Watchers-Prinzip wird jedem Lebensmittel eine Anzahl an Punkten zugeordnet. Wer abspecken will, darf täglich eine bestimmte Punktzahl nicht überschreiten. Ob jemand dabei sein Punktekonto mit einem Schnitzel und einer Rippe Schokolade füllt oder lieber mit üppigen Obst- und Gemüsemahlzeiten spielt im Prinzip keine Rolle, denn es gibt keine Verbote. "Eine gesunde Ernährung und Bewegung sind jedoch das Ziel", ergänzt Gahl.

Das Weight Watchers-Programm ist ein Gruppenprogramm: Wer will, kann sich regelmäßig mit anderen Teilnehmern und einem Gruppenleiter treffen und sich über Erfolg oder Misserfolg austauschen. Zwar sind die Gruppenleiter nicht immer ausgebildete Diätassistenten, doch Expertin Gahl ist vom Weight Watchers-Programm überzeugt: "Es zielt auf eine langfristige Ernährungsumstellung mit einer ausgewogenen, kalorienreduzierten Mischkost, die den Körper mit allen Nährstoffen versorgt".


Die Diät ist nur der erste Schritt

Ob Sie nun leidenschaftlicher Fleischesser sind und deshalb die Atkins-Diät bevorzugen, oder ob Ihnen das Abspecken in der Gruppe leichter fällt – die Pfunde purzeln bei jeder Diät. Doch bei so mancher ist die neue schlanke Linie leider nicht von Dauer und die mühsam verlorenen Kilos sitzen schnell wieder auf den Hüften. Wer den ewigen Kreislauf von Diät und Jojo-Effekt endgültig durchbrechen will, für den gibt es deshalb nur eines: Eine dauerhafte Ernährungsumstellung und Sport!



Vanessa von Blumenstein / www.apotheken-umschau.de; 15.01.2010, aktualisiert am 27.01.2012
Bildnachweis: W&B/Kerth, W&B/Birgit Sporrer, iStock/Anatoly Tiplyashin

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