In jeder Buchhandlung gibt es eine ganz besondere Ecke. Die Abteilung für Ratgeber und Selbsthilfebücher. Nirgends sonst drücken sich die Leser so eng an die Regale, verdecken derart auffällig den Titel der hektischen Leseprobe oder verlangen so häufig nach einem "Buch für einen Freund". In dieser meiner Lieblingsecke gibt es tolle Werke zu wunderbaren Themen. Ein besonders beliebtes dabei ist Abnehmen.
Klar, eine schöne gesunde Figur möchte nämlich jeder haben. Aber ob auf die besagten Büchlein dabei wirklich Verlass ist, bleibt fraglich. Sicherlich gibt es sinnvolle Ernährungsratschläge, aber immer wieder schleichen sich die skurrilsten Diät-Tipps zwischen die guten alten und kampferprobten "fdH"-Ratgeber. Dr. Thomas Ellrott, Leiter des Institutes für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen hat zehn der beliebtesten Diät-Mythen unter die Lupe genommen.
1. Lieber fünf kleine als drei große Mahlzeiten.
Gilt heute nicht mehr uneingeschränkt! Ob ich zu- oder abnehme hängt von den gesamten Kalorien des Tages ab, egal wann diese gegessen werden. Manche kommen mit drei Mahlzeiten und längeren Esspausen besser zurecht, andere verhindern gerade durch Zwischenmahlzeiten größere Essattacken. Eines ist aber sehr wahrscheinlich ungünstig: Das ständige Essen über den Tag – das sogenannte Grazing.
2. Fett macht immer dick.
Falsch. Entscheidend sind die Kalorien des Tages. Klar ist, dass Fett besonders viele Kalorien pro 100 Gramm liefert und sehr effektiv in Körperfett umgewandelt werden kann. Es wird aber nur dann Körperfett aus Fett im Essen aufgebaut, wenn wir in der Summe – aus Kohlenhydraten, Fett, Eiweiß und Alkohol – mehr Kalorien essen als verbraucht werden.
3. In der Sauna nimmt man ab.
Ja, aber nur Wasser. Im Vergleich zum inaktiven Fernsehen verbraucht ein Saunagang zwar wirklich mehr Kalorien in der gleichen Zeit. Die auf der Waage messbare Gewichtsabnahme ist jedoch fast ausschließlich durch Wasserverlust bedingt.
4. Dinner-Canceling.
Kann hilfreich sein, ist aber mit dem sozialen Zusammenleben kaum vereinbar, da die meisten sozialen Essen am Abend stattfinden.
5. Schlank im Schlaf.
Leider fehlen Studien, die deutlich einen Vorteil dieses Konzepts im Vergleich zu bewährten Ansätzen zeigen. Auf der anderen Seite ist die Schlaf-Diät von ihrer Grundzusammensetzung nicht bedenklich. Wem sie hilft, kann also ruhig dabei bleiben.
6. Minus-Kalorien und Fatburner-Enzyme.
In der Praxis nicht realisierbar beziehungsweise unwirksam. Eiskaltes Wasser hat streng genommen tatsächlich Minus-Kalorien. Es enthält selbst keine Kalorien und der Körper muss sogar Kalorien aufwenden, um das Wasser auf Körpertemperatur zu bringen. Auch Capsaicin, der Scharfstoff aus der Chili-Schote, führt zu einem leicht gesteigerten Energieverbrauch.
Wer zu viel Eiswasser trinkt, bekommt jedoch erhebliche Magen-Darm-Probleme. Und wer zu viel Capsaicin isst, riskiert Schleimhautschäden an Magen und Darm. Fatburner-Enzyme sind gänzlich wirkungslos, da Enzyme Eiweißbausteine sind, die im Verdauungsprozess zerstört werden.
7. Olivenöl statt Butter.
Da wo der Geschmack zum Essen passt, keine schlechte Idee. Die Fettzusammensetzung von Pflanzenölen, zum Beispiel Olivenöl, ist tatsächlich günstiger als Fettzusammensetzung von Butter. Natürlich darf weiterhin Butter auf das Marmeladenbrötchen oder als Stich ans Gemüse. Da kann Olivenöl geschmacklich nicht das Wasser reichen.
8. Fisch macht schlank.
Weniger Kalorien machen schlank, nicht ein einzelnes Lebensmittel. Fisch kann aber durchaus helfen, weniger Kalorien zu essen. Fisch ist häufig sehr fettarm und damit auch kalorienarm.
9. Dünn durch Rauchen.
Stimmt leider zum Teil. Allerdings zahlen Raucher dafür einen hohen Preis: Impotenz, Lungenkrebs, Amputationen von Gliedmaßen, schnellere Alterung der Haut ...
10. Lightprodukte machen schlank.
Richtig eingesetzt, können fettreduzierte Lightprodukte wirklich hilfreich sein. Was nicht funktioniert: Ein Lightprodukt kaufen und – weil man ja das Lightprodukt gekauft hat – davon doppelt und dreifach essen. Wer aber 100 Gramm Gouda mit 48 Prozent Fett in der Trockenmasse durch 100 Gramm Gouda mit 30 Prozent Fett in der Trockenmasse ersetzt, spart mehr als Hundert Kalorien.
Unser Experte:
Thomas Ellrott beschäftigt sich als Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität in Göttingen mit Themen rund um das menschliche Essverhalten. Dabei berücksichtigt er Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft, der Psychologie, der Pädagogik und der Medizin.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
19.01.2010, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/ Claudiad
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