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Ayurveda-Diät: Eine Methode zum Abnehmen?

Frühlingszeit ist Abnehmzeit. Auf der Suche nach einer Diät stoßen immer mehr Menschen auf die Grundsätze der ayurvedischen Ernährungslehre


Schlankmacher aus Indien: Funktioniert die Ayurveda-Diät?

Wenn Frauenzeitschriften oder Ratgeber die Wörter „Ayurveda“ und „Diät“ in einem Atemzug nennen, gerät bei Anhängern der alten indischen Ernährungslehre schon mal die Harmonie-Balance ins Wanken. Hat doch die ursprüngliche Speisenaufnahme nach dem Ayurveda-Prinzip so gar nichts mit dem Trend bewussten Wellness- und Diätgedanken des Westens zu tun. Die Gewichtsreduzierung als Resultat der ayurvedischen Ernährung ist eine immer beliebter werdende Erfindung des Westens.


Ayurveda, ist das etwas für Sie?

Ayurvedische Ernährung

Die altindische Lehre vom Leben findet immer mehr Fans in den westlichen Breiten. Doch nicht nur Stirnölgüsse, entspannende Massagen oder die medizinische Anwendung machen aus der traditionellen Heilkunst ein philosophisch-spirituelles Ganzheits-Konzept. Auch die ayurvedische Ernährungslehre ist Teil dieser alten angewandten Lebenswissenschaft.

Den besonderen Reiz für den modernen Menschen macht mit Sicherheit der individuelle Aspekt der ayurvedischen Ernährung aus, meint Kerstin Rosenberg, Leiterin der Europäischen Akademie für Ayurveda in Birstein. Das Ayurveda-Motto: Jeder is(s)t anders und benötigt entsprechend seiner Konstitution, Lebensweise und Belastungsfaktoren unterschiedliche Nahrungsmittel und Zubereitungsformen, um sein körperliches und emotionales Gleichgewicht zu erhalten oder wieder zu finden. „Damit verbindet die tägliche Ernährung eine gesundheitsbewusste Selbsterfahrung und -verantwortung mit praktischen Alltagstipps und kreativen Kochrezepten“, so Rosenberg.

Als Teil der Heilkunde aus dem fernen Indien spielen auch in der Ernährungslehre die so genannten Doshas eine entscheidende Rolle. Doshas sind die drei Temperament-Typen, die man in der indischen Lehre unterscheidet. Das heißt: Die Ernährung richtet sich nach der individuellen Dosha-Verteilung im Körper. Vata steht für die Naturelemente Luft und Äther, Kapha für Erde und Wasser und Pitta für Feuer. Ein Ayurveda-Arzt kann den Konstitutions-Typen feststellen. Er findet durch verschiedene Untersuchungen (unter anderem Puls- und Urinuntersuchung) heraus, welche Kräfte den Körper durchfließen und vor allem: in welchem Verhältnis die entsprechenden Doshas zueinander stehen. Diese Doshas oder „Bioenergien“ gilt es – so besagt es die ayurvedische Ernährungslehre – in Balance und Harmonie zu halten.

Die Doshas

Vata: Grundsätzlich sagt man, dass die eher hektischen und nervösen Vata-Menschen Verdauungsprobleme haben und deshalb beruhigend auf ihr Dosha wirken müssen. Empfohlen werden ihnen daher leicht verdauliche und warme Speisen, die geschmacklich salzig, sauer oder süß sein sollen. Blähendes sollte vermieden werden. Bevorzugte Gewürze: Zimt, Nelke, Ingwer und Safran.

Pitta: Die Pitta-Typen hingegen können etwas schwerer essen. Ihre Verdauung erlaubt ihnen sowohl kalte auch warme Speisen. Sie haben einen guten Stoffwechsel. Übersäuernde oder scharfe Lebensmittel sollten die Pittas jedoch meiden, wenn sie ihr Dosha im Gleichgewicht halten möchten. Auf Alkohol, Kaffee oder Produkte mit Weißmehl und Zucker sollten diese Typen möglichst verzichten. Die empfohlenen Geschmacksrichtungen sind bitter, süß und herb. Bevorzugte Gewürze: Kurkuma, Koriander und Kardamon.

Kapha: Bei den Kapha-Menschen, die sich durch eine gewisse Trägheit auszeichnen, sollten viel Obst und Gemüse auf dem Speiseplan stehen. Und auch Kaphas sollten warmes und gegartes Essen bevorzugen, fette und schwere Sachen (vor allem abends) tunlich umgehen. Am besten sind scharfe, bittere und herbe Geschmäcker. Bevorzugte Gewürze: Chilli und Ingwer.

Außerdem gibt es noch weitere generelle Empfehlungen, die man bei der ayurvedischen Ernährung berücksichtigen sollte. Wichtig ist eine ruhige Atmosphäre, die jedes Essen begleiten soll. Unruhe, Hektik oder Stress gelten als „Gift“ für die Essens-Zeremonie. Zwischen den Mahlzeiten gilt eine minimale Pause von drei Stunden, wobei die Hauptmahlzeit immer zu Mittag gegessen werden sollte. Wichtig nach der ayurvedischen Philosophie ist auch, dass man nur essen sollte, wenn man wirklich Hunger hat. Aber auch dann sich nicht komplett satt essen. Als Getränke werden warmes Wasser und Kräutertees empfohlen. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb) sollten in jeder Mahlzeit verarbeitet worden sein.

Essen und Lebensfreude

„Eine gesunde Ernährung sollte Körper und Geist gleichermaßen nähren und mit neuer Lebensenergie erfüllen,“ ist Rosenberg überzeugt. Ein wichtiges Instrument: gute Qualität und harmonischer Geschmack der Speisen. „Mit der kunstvollen Ausbalancierung der verschiedenen Geschmacksrichtungen wie süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend“, so Rosenberg weiter, „nehmen wir direkten Einfluss auf unsere gesunden Körperfunktionen und positiven Gefühle.“ Ziel der ayurvedischen Ernährung ist es also, durch ausgewogene Geschmackskomponenten alle Sinne auf wohlschmeckende und genussvolle Weise zu befriedigen.

Umgekehrt soll es auch funktionieren: Laut der ayurvedischen Lehre gibt es Lebensmittel oder Zubereitungsarten, die sich gegen unsere Lebensfreude richten können und uns Energie entziehen. „Nehmen wir Speisen zu uns, welche unsere Sinne abstumpfen oder überreizen, wie zum Beispiel Fast food, Geschmacksverstärker oder zu viele Süßigkeiten, so reagiert der Organismus häufig mit Maßlosigkeit und Suchtverhalten“, weiß die Ayurveda-Expertin.

Ayurveda-Diät

Diese Ernährungs-Grundsätze klingen tatsächlich bisweilen nach einem der üblichen Diätfahrpläne. So ist es auch kein Wunder, dass die eigentlich als ganzheitlich anzusehende und Heilung unterstützende Ernährungslehre im BMI-fokussierten Westen als Erfolg versprechende Methode zur Gewichtsreduzierung verkauft wird.

Dosha-Harmonisierung als Schlankmacher? Die ayurvedische Ernährung funktioniert deswegen auch als Diät, da viele Empfehlungen aus der ayurvedischen Lehre ja ganz simpel den Grundsätzen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung entsprechen. Viel Gemüse und Obst, schonende Garmethoden, die Verwendung von Kräutern, das weitestgehende Verzichten auf Fleisch und Wurst sind gute Voraussetzungen für gesundes Abnehmen. „Einige Menschen befürchten allerdings“, sagt Rosenberg, „dass die ayurvedische Ernährung eine Art indische, vegetarische Diät sei.“ Die Vielfalt der Ayurveda-Küche und die undogmatische wie ganzheitliche Herangehensweise unterscheidet sie allerdings von den üblichen Diäten. „Es gibt viele gute Tipps, welche die Verwertung und Energiegewinnung des Stoffwechsels verbessern und damit auf einfache und natürliche Weise unsere kleinen Beschwerden wir Verstopfung, Müdigkeit oder Übergewicht ausgleichen. Die leichten und schmackhaften Rezepte sind besonders gut.“

Die Krux: Die Ernährung nach dem ayurvedischen Prinzip wurde nicht zur dogmatischen oder gar kurzfristigen Gewichtsregulierung angelegt. All zu oft wird der ursprüngliche Heil- und innere Gleichgewichtsgedanke durch für westliche Ansprüche anwendbare Diät-Anweisungen verfälscht. So wird aus einem spirituellen Akt ein strikter Schlankmacher-Plan gebastelt.

Ein weiteres Problem ist, dass man in den diversen Ratgebern wie in einem Multiple-Choice-Test selbst eruieren soll, welcher Dosha-Typ man ist. Nun ist die objektive Selbsteinschätzung bei Diät-Willigen nicht immer gegeben. Ein Gang zum Ayurveda-Arzt oder der Aufenthalt in einer ayurvedischen Klinik mit medizinischem Hintergrund  zur exakten Bestimmung der Dosha-Verteilung wäre eigentlich sinnvoller.

Die Zubereitung mancher ayurvedischen Speisen scheint außerdem für Ungeübte auf den ersten Blick schwierig. Rosenberg gibt Entwarnung: „Die ayurvedische Küche ist ganz einfach! Ich selbst bin ja auch Mutter von drei Kinder und beruflich sehr stark eingespannt, da gab es noch nie ein Problem.“ Meistens bemerke die Familie gar nicht, dass es sich um "exotische" Kost handelt. Etwas Ingwer oder Kurkuma sowie viele frische Kräuter lassen sich einfach in die mediterrane oder hiesige Küche integrieren. „Und eine warme Suppe am Abend, eine wichtige Empfehlung im ayurvedischen Speiseplan, geht schnell und schmeckt allen gut,“ sagt die Expertin.



Sandra Schmid / www.apotheken-umschau.de; 22.03.2011, aktualisiert am 20.01.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF

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