Jeder, der schon einmal versucht hat abzunehmen, weiß, wie schwer das sein kann. Denn welche Diät auch verfolgt wird, für welche Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten die Entscheidung fällt, ohne realistische Ziele und ausreichende Motivation ist jeder Abnehmversuch zum Scheitern verurteilt. Die Berliner Psychologin Laura Ritthaler, die sich unter anderem auf die Unterstützung Abnehmwilliger spezialisiert hat, gibt Tipps zur Motivation.
Welche Motivation ist hilfreich, um abzunehmen?
Wichtig ist, sich zunächst zu überlegen, warum genau ich abnehmen möchte. Welche Gründe stecken wirklich dahinter? Möchte ich nur abnehmen, um anderen zu gefallen und Anerkennung zu bekommen? Das wäre nicht die richtige Motivation. Es kommt darauf an, das Abnehmen für sich selber zu wollen: Möchte ich mich attraktiver fühlen, beweglicher werden, wieder in schönere Kleidung passen? Ich empfehle, sich ein paar ruhige Minuten zu nehmen und sich vorzustellen, was es mir tatsächlich bringt, wenn ich meine Abnehmziele erreicht habe.
Wie werden Ziele am besten gesetzt?
Geklärt werden sollte, wie viel abgenommen werden soll und in welchem Zeitraum. Wer sich überzogene, unrealistische Ziele setzt, wird es sicherlich nicht schaffen. Es macht keinen Sinn, sich vorzunehmen, künftig täglich zwei Stunden Sport zu treiben und nur noch Obst und Gemüse zu essen. Am besten werden kleine Ziele gesteckt, die sich gut in den individuellen Alltag integrieren lassen. Das Programm sollte keinen überfordern, möglichst auf eine langfristige Änderung des Lebensstils abzielen und dauerhaft durchhaltbar sein.
Wo gibt es Hilfe?
Da eine realistische Zielsetzung ausschlaggebend für den Erfolg ist, rate ich, sich Unterstützung zu holen. Das kann eine Freundin sein, mit der alles besprochen wird oder die ebenfalls abnehmen möchte. Zum Klären der eigenen Ziele und der Motivation gibt es zahlreiche Abnehmgruppen und Foren im Internet. Für viele Menschen ist das Abnehmen in der Gruppe einfacher als alleine. Wer möchte, kann auch einen Coach aufsuchen, um die innere Einstellung zu prüfen.
Welche Gefahren lauern während des Abnehmens?
Das Abnehmen sollte jeden Tag mit Freude in Angriff genommen werden. Ganz schlecht ist es, wenn sich einer überwinden und zwingen muss, wenn jemand versucht krampfhaft durchzuhalten. Zum erfolgreichen Abnehmen gehören Leichtigkeit und Freude. Ansonsten wird spätestens, wenn Stress von außen hinzukommt, das ganze Abnehmvorhaben über den Haufen geworfen. Wer merkt, dass das Abnehmen stressig wird, sollte wieder einen Schritt zurück gehen und sich verdeutlichen, warum er abnehmen möchte.
Was tun bei Rückschlägen?
Wer während des Abnehmens eine ganze Tafel Schokolade verdrückt, zeigt eindeutig Frust- und Stresssymptome. Wenn so etwas passiert, ist das Abnehmvorhaben wahrscheinlich von Anfang an schlecht organisiert gewesen. Im Gegensatz dazu gehören kleinere Rückschlägen dazu. Sie wird es immer geben. Am besten wird dann gedacht: "Ah, das war jetzt also einer dieser Rückschläge, die ja ganz normal sind".
Welche Rolle spielt das Selbstwertgefühl?
Eine ganz entscheidende. Ich beobachte immer wieder, dass Menschen, die abnehmen möchten, sehr streng mit sich selber umgehen und manchmal auch Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl haben. Jedes Scheitern beim Abnehmversuch nagt dann zusätzlich am Selbstwertgefühl.
Wie wird am besten durchgehalten?
Es sollte alles unternommen werden, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass das Abnehmen ein Erfolg wird. Eine Belohnung sollte unbedingt eingeplant werden. Wobei die schönste Belohnung natürlich der Erfolg und die Freude über das neue Gewicht sind, eine sogenannte intrinsische Belohnung. Eine Belohnung von außen, eine extrinsische Belohnung, kann zum Beispiel eine Massage sein.
Sibylla Machens / www.apotheken-umschau.de;
11.01.2010, aktualisiert am 11.01.2011
Bildnachweis: Stockbyte/RYF
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